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Enquete: "Lohnungleichheit in Europa"
Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit - am Beispiel von verschiedenen Ländern diskutierten am 14. März rund 100 BetriebsrätInnen und GewerkschafterInnen aus ganz Europa in Wien über Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Im Durchschnitt der Europäischen Union liegt die Einkommensschere bei mehr als 16 Prozent. Der Einkommensunterschied in Österreich liegt bei etwa 31 Prozent. "Der Kampf gegen Lohnungleicheit muss auf mehreren Ebenen geführt werden. Es braucht Gesetze, aber auch Sanktionsmöglichkeiten und betriebliche Maßnahmen, um die Einkommensschere zu verringern. Dies hat ein Vergleich der Situation in den verschiedenen Ländern deutlich gezeigt", fasste Renate Anderl, Bundesfrauenvorsitzende der Gewerkschaft PRO-GE, die internationale Konferenz zusammen.
Deutlich wurde in den Diskussionsbeiträgen, dass Lohnunterschiede viele Ursachen haben: Branchen mit niedrigen Löhnen haben oft einen hohen Frauenanteil. Das sind etwa der Dienstleistungssektor, aber auch der Textilbereich. "Die berufliche Laufbahn von Frauen ist oft gekennzeichnet durch Teilzeitarbeit und Unterbrechungen", sagte Anderl. Die geringen Chancen am Arbeitsmarkt und die hohe Teilzeitquote von 44 Prozent seien auf fehlende Möglichkeiten zurückzuführen, Beruf und Familie zu vereinbaren. "Eine Wahlmöglichkeit haben viele Frauen nicht", so Anderl.
Gabriele Ulbrich von der IG-Metall und Vorsitzende des EMB-Gleichstellungsausschusses sah einige Parallelen zur Situation in Deutschland. Zwar sei die Frauenerwerbsquote gestiegen, aber meist durch mehr Teilzeitarbeit (89% Frauen) oder durch Mini-Jobs (77% Frauen). "Die Entgeltlücke steigt mit dem Alter und liegt am Schluss bei 30 Prozent. Die Gefahr der Altersarmut steigt", warnte Ulbrich. Sie forderte Maßnahmen wie strenge Regelung von Leiharbeit bzw. prekärer Arbeit oder Entgeltchecks in Unternehmen durch BetriebsrätInnen.
In Österreich wurden 2011 mehrere Maßnahmen gesetzt. Zum einen auf Gesetzesebene mit den verpflichtenden Einkommensberichten in Unternehmen und der Angabe von Lohnhinweise bei Stellenausschreibungen. Zum anderen mit verbesserten Anrechnungen von Karenzzeiten in den Kollektivverträgen. "Frauen werden beim Berufseinstieg vielfach zu niedrig eingestuft. Die Überprüfung der Einstufung durch BetriebsrätInnen und eine deutliche Anhebung der Löhne in den unteren Beschäftigungsgruppen ist von enormer Bedeutung", sagte Klaudia Frieben, von der PRO-GE in ihrem Österreichbericht.
"Der Kampf gegen Lohnungleicheit muss auf mehreren Ebenen geführt werden", fasst Anderl die Konferenz zusammen. Gesetzliche Verpflichtungen seien eine gute Grundlage, aber ebenso wichtig seien Sanktionsmöglichkeiten: damit zum Beispiel alle Arbeitgeber die Bestimmungen für Einkommensberichte auch umsetzen und sich nicht einfach ihrer Verantwortung entziehen. Hinzu kommen Maßnahmen auf betrieblicher Ebene, damit etwa versteckte Diskriminierungen in den Lohnsystemen auch wirklich verschwinden würden.
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