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Studie: Digitalisierung bedroht neun Prozent der Jobs

Welche Reformen für die Zukunft notwendig sind

Die fortschreitende Digitalisierung der Wirtschaft und Arbeitswelt gefährde mittelfristig rund neun Prozent aller Jobs (= 360.000 Stellen) in Österreich. Auf HilfsarbeiterInnen und HandwerkerInnen würden gemeinsam über 50 Prozent der bedrohten Jobs entfallen. Das sagt eine aktuelle Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag des Sozialministeriums. Die IHS-Studie zeigt damit ein gänzlich anderes Bild, als vorherige Analysen, die fast 50 Prozent aller Arbeitsplätze bedroht sahen. Die Auswirkungen seien "weniger dramatisch als kolportiert." Die Einführung des PC habe im Saldo auch zu mehr Jobs geführt, erklärt etwa IHS-Chef Martin Kocher.

Positive Effekte nicht geschätzt

"Per saldo könnte es sogar positive Effekte auf den Arbeitsmarkt haben", sagt Kocher. Allerdings liefert das IHS keine Prognose, wie viele neue Arbeitsplätze entstehen könnten. Stattdessen sagen die ForscherInnen, dass auch nicht automatisierbare Arbeitsplätze sich in den nächsten fünf bis 15 Jahren maßgeblich verändern würden. Wirklich stark gefährdet sieht das IHS schlecht oder nur gering qualifizierte ArbeitnehmerInnen. Laut IHS-Schätzung sind 30 Prozent der Hilfsarbeitskräfte-Jobs von Automatisierung bedroht, 19 Prozent im Handwerk und 11 Prozent der Dienstleistungsberufe.

Wilfried Sihn vom Fraunhofer Institut wiederum betonte vor zwei Jahren im Gespräch mit der Glück auf, dass Österreich in einer besonderen Situation sei, da ein großer Anteil der Industrie Zulieferbetriebe seien. Ein Teil der Arbeitsplätze in diesen Unternehmen könnte durch neue Technologien bedroht sein. Ebenso sei es laut Sihn ein Fehlschluss, wenn man glaube, Industrie 4.0 und Digitalisierung betreffe nur ArbeiterInnen. Er sieht auch in Finanzbeamten und SupermarktkassiererInnen aussterbende Berufe. Zwar würden auch neue Jobs geschaffen, das passiere jedoch zeitversetzt.

> Industrie: 4. Revolution verändert die Arbeitswelt - Wilfried Sihn im Interview

Chancen nur mit Aus- und Weiterbildung

Die Digitalisierungswelle rollt also schon längst. Damit die Digitalisierung aber ein Erfolg wird und auch für ArbeitnehmerInnen eine Chance bedeutet, muss Aus- und Weiterbildung noch mehr in den Mittelpunkt gestellt werden.  Die PRO-GE fordert die Qualität der Lehre weiter zu verbessern, denn viele Lehrlinge kommen am Ende der Lehrausbildung nicht an, weil sie ausgebeutet statt ausgebildet werden. "Das lässt sich nur ändern, indem die Lehrausbildung laufend streng kontrolliert wird. Die Ausbildung von Lehrlingen wird im Gegensatz zu jener von MaturantInnen nämlich nicht überprüft", kritisiert etwa PRO-GE Jugendvorsitzender Sascha Ernszt. Derzeit könne jedes Unternehmen ausbilden, wie es möchte. Um das zu ändern, soll künftig eine unabhängige Behörden eine gute Ausbildungsqualität sicherstellen. Zugleich muss die Lehrlingsförderung auf neue Beine gestellt werden. Dazu fordert die PRO-GE die Umsetzung des seit langem geforderten Ausbildungsfonds (Fachkräftemilliarde). Ebenso müsse der Zugang für Lehrlinge zu Fachhochschulen und Universitäten verbessert werden.

Für ein lebensbegleitendes Lernen braucht es aus Sicht der Gewerkschaften zudem gute Rahmenbedingungen mit der Voraussetzung, dass sich Unternehmen wieder viel stärker engagieren. "Es braucht genügend finanzielle Mittel für Schulung und Weiterqualifikation der ArbeitnehmerInnen und mehr Bildungsmaßnahmen in den Betrieben", forderte Manfred Anderle, PRO-GE Bundessekretär, anlässlich einer Jugendveranstaltung im Vorjahr. Ein Rechtsanspruch auf bezahlte Weiterbildung könnte hier aus Sicht der Gewerkschaften für ArbeitnehmerInnen eine deutliche Verbesserung bringen.

> ÖGB-Jugendkongress fordert WLAN für alle Berufsschulen

Wer künftig mehr beitragen muss

Die Finanzierung unseres Sozialsystems stützt sich im Wesentlichen auf Löhne und Gehälter, nicht aber auf andere Komponenten der Wertschöpfung. Diese ungleiche Verteilung der Finanzierung gewinnt durch die Entwicklung der letzten Jahrzehnte an Dringlichkeit. Gerald Braunberger, Wirtschaftsjournalist bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, beschrieb bereits 2014 in seinem Artikel "Macht der Maschinen" die Auswirkungen der digitalen Revolution auf die Lebens- und Arbeitswelten. Vor allem die Verteilung von Einkommen und Vermögen sieht er im Umbruch. Gab es früher Firmen, die gut bezahlte Industriearbeitsplätze in großer Zahl schufen, sind es heute Unternehmen mit deutlich weniger Beschäftigten. Braunbergers Beispiel: Der Video- und Fotodienst Instagram wurde zwei Jahre nach der Gründung von Facebook für eine Milliarde Dollar (!) übernommen. Instagram beschäftigte damals zwölf MitarbeiterInnen. Fünf Jahre später erwarb Facebook das Unternehmen Whatsapp mit 60 Beschäftigten für unglaubliche 20 Milliarden Dollar.

> FAZ: Digitale Revolution - Macht der Maschinen

"Der Anteil der Arbeitseinkommen geht zurück, der Anteil der Kapitaleinkommen steigt. Daher ist es ein Gebot der Stunde, die Finanzierungsbasis unseres Sozialstaats zu verbreitern", sagt PRO-GE Bundesvorsitzender Rainer Wimmer.

Der Faktor Kapital müsse endlich in die Finanzierung einbezogen werden. Dadurch komme es auch zu mehr Beitragsgerechtigkeit zwischen personalintensiven und kapitalintensiven Branchen. Jene Branchen, die im internationalen Wettbewerb stehen, wie die Metallerzeugung und der Maschinenbau würden entlastet. Das Gleiche gilt für das Bauwesen, den Handel und die Gastronomie.

Das heißt im Klartext: Neben der Einführung einer Wertschöpfungsabgabe muss aus Sicht der Gewerkschaften und Arbeiterkammer auch wieder über eine höhere Besteuerung von großen Vermögen und die Schließung von Steuerschlupflöchern für Konzerne diskutiert werden. Wenn ein einzelner Arbeitnehmer in Österreich mehr Steuern zahlt als einige Großkonzerne, dann braucht es Reformen für mehr Gerechtigkeit und um Sozialstaat  und Arbeitsplätze zu sichern.

> Maschinen zahlen keine Steuern

Wer kauf die Autos?

Welche Zukunft die neue Welt der Wirtschaft mit riesigen Datenmengen, Netzwerken, Apps und Roboter ohne solche Reformen bringen könnte, beschreibt der Journalist Braunberger anhand einer Geschichte: "Ein Unternehmensvorstand und ein Gewerkschaftschef besuchen eine durch Roboter hochautomatisierte Automobilfabrik, in der nur noch wenige Menschen arbeiten. Der Vorstand fragt den Gewerkschafter mit einem hochmütigen Lächeln: 'Wie willst du meine Roboter dazu bringen, für deine Gewerkschaft zu streiken?' Der Gewerkschafter lächelt zurück: 'Und wie willst du deine Roboter dazu bringen, deine Autos zu kaufen?`"

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