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Lohnabschluss Metallindustrie 2017
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Im Kampf für die Rechte von ErntehelferInnen

Dan und Doina bekamen Hilfe von der PRO-GE

Bei Obst und Gemüse setzen die ÖsterreicherInnen gerne auf heimische Qualität. Was allerdings oft nicht stimmt, ist die Qualität der Arbeitsbedingungen für die tausenden ErntehelferInnen, die auf Österreichs Feldern Spargel ausgraben, Kraut schneiden und Erdbeeren pflücken. In den vergangenen Jahren erreichten die PRO-GE immer wieder Berichte über unfassbar lange Arbeitszeiten, Bezahlung weit unter Kollektivvertrag und pferchähnliche Quartiere.

Bis zu 300 Stunden im Monat jäten, pflanzen, ernten, schneiden, verpacken – bei Regen, Wind und sogar Schnee. So sah auch die Arbeitsrealität für Dan, seine Frau Doina und die beiden Kollegen Liviu und Daniel aus. Sieben Jahre lang schufteten sie als ErntehelferInnen auf einem Kraut-Hof in Niederösterreich. Bezahlt wurden ihnen gerade einmal 3,50 Euro netto pro Stunde, später dann 5 Euro. Löhne, die deutlich unter dem Kollektivvertrag liegen. Auch Überstundenzuschläge und Sonderzahlungen waren dem Bauer, bei dem sie arbeiteten, fremd.

„Die Arbeit dauerte 13, 15, 17 Stunden am Tag. Alle zwei bis drei Monate kam es vor, dass wir sogar 24 Stunden am Stück arbeiteten, ohne Schlaf“, erzählt Doina. „Mein Mann arbeitete noch mehr als ich. Wenn wir abends schlafen gingen, fuhr er nach Wien zum Großmarkt, zum Entladen der Lkws.“ Doch eines Tages bekamen die Vier einen Flyer der Sezonieri-Kampagne der PRO-GE in die Hände – und damit nahm die Geschichte eine Wendung.

Die PRO-GE hilft

Zunächst schafften sie es selbst, für ein paar Monate einen höheren Lohn zu verhandeln – doch der Ton am Hof wurde schärfer. Zum Ende der Saison war für Dan, Doina und ihre Kollegen klar, dass es so es nicht weitergehen konnte. Sie wendeten sich an die PRO-GE, die die offenen Ansprüche der vier einforderte. Es starteten zähe Vergleichsverhandlungen, die letztlich scheiterten, da die Eigentümer des Hofs die geleisteten Stunden in Abrede stellten – ihrer Meinung nach hatten die vier KollegInnen nur Teilzeit gearbeitet!

Daraufhin wurde Klage beim Arbeits- und Sozialgericht eingereicht. Letztendlich konnten die vier ErntehelferInnen mithilfe der PRO-GE vor Gericht einen Vergleich erzielen und erhielten gemeinsam knapp 27.500 Euro. „Das hätten wir früher machen müssen, anstatt sieben Jahre lang auf unsere Rechte zu verzichten!“, ärgert sich Doina im Nachhinein.

Außergewöhnliche Dreistigkeit.

Fälle wie dieser sind kein Einzelfall – in der Erntehilfe arbeiten nahezu ausschließlich MigrantInnen aus dem Osten Europas, eine aufgrund des ökonomischen Drucks leicht auszubeutende Gruppe. Die Missstände sind vielfältig: von überlangen Arbeitszeiten, Dumpinglöhnen, fehlender Versicherung bis hin zu menschenunwürdiger Unterbringung. Legitimiert wird die systematische Lohnhinterziehung nicht selten mit gefälschten Unterlagen. Die Dreistigkeit mancher Obst- und Gemüsebauern überrascht auch PRO-GE Rechtsschutzsekretärin Susanne Haslinger immer wieder: „Diese Fälle zeichnen sich durch ein Ausmaß an Sturheit und Uneinsichtigkeit der Arbeitgeber aus, wie ich das außerhalb der Landwirtschaft nicht kenne.“

Zum Mitgliedermagazin "Glück auf!"

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