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Lohnabschluss Metallindustrie 2017
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Wo sind die Fachkräfte von morgen?

VIDEO: Die Zukunft der dualen Lehrausbildung

Wer auch in Zukunft Fachkräfte will, muss in die Lehre investieren. Gefordert sind Politik und Wirtschaft. Nur eine Verbesserung der praktischen und theoretischen Ausbildung wird junge Menschen dazu bringen, sich für diesen Weg zu entscheiden.

Die Lehrausbildung ist in der öffentlichen Diskussion in den vergangenen Jahren ins Hintertreffen geraten. Wenn über Bildung gesprochen wurde, dann standen Themen wie Ganztagsschule, Zentralmatura oder die Ausstattung der Universitäten im Fokus. Dass dies nicht zur Attraktivität der Lehre beiträgt, erkennen auch die Lehrlinge. Aus der „Ersten österreichischen Lehrlingsstudie“ (2015) geht hervor, dass fast 60 Prozent der Lehrlinge bemängeln, dass sich PolitikerInnen nur um die Anliegen der MaturantInnen und Studierenden kümmern, nicht aber um die jener Jugendlichen, die im dualen System ihre Ausbildung absolvieren. Über 50 Prozent sind der Auffassung, dass ihnen auch im Alltag weniger Respekt entgegengebracht wird als MaturantInnen. Auch in den Zahlen schlägt sich nieder, dass immer weniger Jugendliche die Lehrausbildung als den geeigneten Weg betrachten. 2016 haben lediglich 28.524 junge Menschen eine betriebliche Lehre begonnen, 4.869 fanden eine Ausbildung in einer überbetrieblichen Lehrwerkstätte. Gemessen an der Anzahl aller 15-Jährigen lag der Anteil der LehranfängerInnen 2016 bei 38,2 Prozent, 2011 konnten sich noch 42,3 Prozent für eine Lehre begeistern.

Es ist also höchst an der Zeit, weitere Maßnahmen zu setzen, um das Image der Lehre zu verbessern und aufzuzeigen, welche Karrierewege mit einer Lehrausbildung offenstehen.

 

 

Auch die Regierung hat dies erkannt und einige Reformen eingeleitet. So wurde im März ein Gesetz in Begutachtung geschickt, das künftig für alle Lehrlinge mindestens 1.260 Stunden Berufsschulbildung vorsieht. Derzeit variiert die Anzahl der theoretischen Ausbildungsstunden zwischen 800 Stunden (LebzelterInnen und WachszieherInnen oder Obst- und GemüsekonserviererInnen) und 1.620 Stunden (Ausbildung zum/zur KonstrukteurIn oder in der Gießereitechnik). Für ÖGJ-Vorsitzenden Sascha Ernszt ist längst überfällig, dass die Berufsschulstunden ausgeweitet werden: „Die Anforderungen an Lehrlinge sind stark gestiegen. Wer mehr Inhalt und die Digitalisierung in der Lehre fordert, muss auch mehr Zeit dafür geben, es zu lernen.“ Trotz des ersten Schrittes hin zu mehr Berufsschulstunden hält die Österreichische Gewerkschaftsjugend weiterhin an ihrer Forderung nach einer Ausdehnung auf 1.680 Stunden fest. Neben den bestehenden Pflichtfächern braucht es mehr Zeit für spezifische Inhalte und auch „Unterrichtsgegenstände wie Kommunikation, Politische Bildung, Zeitgeschichte und Kultur, Fremdsprachen sowie verstärkte Bewegungs- und Sportangebote“, so Ernszt.

Ausbildungsqualität in Betrieben erhöhen.

Das neue Lehrberufspaket soll die Lehre nun fit für den digitalen Wandel machen soll. Ab Herbst 2017 werden acht neue Berufsbilder geboten, weitere 46 Lehrberufe sollen bis 2020 neu ausgerichtet werden – darunter auch der/die GlasverfahrenstechnikerIn und die Chemieverfahrenstechnik. Neben einer Überarbeitung der Berufsbilder braucht es aber auch bessere Kontrollen der Ausbildungsqualität in den Betrieben. Noch immer gibt es große Niveauunterschiede zwischen den Unternehmen. Während einige Firmen eine Top-Ausbildungsqualität ermöglichen, wird bei anderen wenig Rücksicht darauf genommen, ob dem Lehrling die notwendigen Fähigkeiten vermittelt werden. Erst am Ende der Lehre – bei der Lehrabschlussprüfung – werden dann die Ausbildungsdefizite zum Nachteil der Jugendlichen sichtbar. Mit einer Lehrstellenförderung, die an die Ausbildungsqualität gekoppelt ist, könnte hier Abhilfe geschaffen werden. Nur wenn die Jugendlichen sicher sein können, gut auf die Zukunft vorbereitet zu werden und auch nach Abschluss der Lehre gute Chancen in der Berufswelt zu haben, werden sich mehr für die duale Ausbildung entscheiden.

Lehre mit Matura.

Ein Erfolgsmodell ist die Lehre mit Matura. Seit 2008 wird es den Auszubildenden ermöglicht, neben dem Lehrabschluss auch die Universitätsreife zu erwerben. Im Jahr 2016 haben 4.478 Personen eine Berufsmatura absolviert, und es ist zu erwarten, dass sich der Trend weiterhin positiv fortsetzt. Um allen Interessierten diesen Abschluss zu ermöglichen, fordert die Gewerkschaftsjugend einen gesetzlichen Anspruch auf Freistellung für die Prüfungsvorbereitung und die Schaffung von besonderen Arbeitszeitmodellen, um den Zugang zur Lehre mit Matura für alle zu ermöglichen.

Lehrlinge besser bezahlen.

Ein wichtiger Anreiz für SchülerInnen, sich gegen eine weiterführende Schule und für eine Lehre zu entscheiden, ist die Möglichkeit, bereits in jungen Jahren eigenes Geld zu verdienen. Und dass es sich lohnt, bald ins Berufsleben einzusteigen, zeigen die Zahlen. So hat ein Techniker-Lehrling bereits 57.000 Euro auf dem Konto, wenn ein 19-jähriger HTL-Absolvent erst zu arbeiten beginnt. Einem TU-Absolventen, der mit 25 seinen ersten Arbeitsplatz antritt, hat er ganze 194.000 Euro voraus. In vielen Branchen sind aber höhere Lehrlingsentschädigungen längst überfällig, daher fordert die Gewerkschaftsjugend 700 Euro im ersten Lehrjahr für alle. Die PRO-GE hat bei den letzten Kollektivvertragsverhandlungen bereits einiges erreicht, um Lehrlinge finanziell besserzustellen. So wurde etwa bei der Glashüttenindustrie eine Anhebung im ersten Lehrjahr um 10 und im zweiten Lehrjahr um 16 Prozent erreicht. Darüber hinaus wurde bereits in vielen Branchen die Übernahme der Fahrtkosten zum Berufsschulinternat durchgesetzt.

Wichtig für den Standort.

Wie wertvoll gut ausgebildete Fachkräfte für die wirtschaftliche Stabilität des Landes sind, zeigt sich daran, dass Unternehmen immer wieder darüber klagen, zu wenige Fachkräfte zur Verfügung zu haben. Dabei haben die Betriebe entscheidend zum Fachkräfteschwund beigetragen, denn die Anzahl derer, die ausbilden, nimmt kontinuierlich ab. Viele Jugendliche werden daher in Überbetrieblichen Lehrwerkstätten ausgebildet. Hier gilt es, von den Unternehmen wieder mehr Verantwortung einzufordern und allen Jugendlichen Chancen zu geben. Denn die Qualität der Arbeitskräfte ist wesentlich, um den Standortvorteil abzusichern und einen weiteren Aufschwung der Wirtschaft zu ermöglichen.

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