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Erfolgsmodell: Integrative Betriebe
Dipl. Ing. Thomas Höbart Dipl. Ing. Thomas Höbart

Erfolgsmodell Integrative Betriebe

Bei ABC arbeiten größtenteils Menschen mit Beeinträchtigung

Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigung sind nicht gerade sehr verbreitet. Die Zusammenarbeit und Integration von Menschen mit dem Zufallsunterschied findet oft im Verborgenen statt. Und dennoch zeigt ein österreichisches Erfolgsmodell, wie konkurrenzfähig Menschen mit Behinderungen sein können.

Dass hochwertige Fertigung in einem integrativen Betrieb möglich ist, beweist die Firma ABC in Kärnten schon lange. Seit 1980 werden hier Menschen mit besonderen Bedürfnissen beschäftigt.  An den drei Standorten Klagenfurt, Villach und Wolfsberg erzeugen rund 240 MitarbeiterInnen hochwertige Auftragsfertigung für den Sondermaschinenbau. Darüber hinaus werden auch für den Textilbereich erfolgreich Auftragsfertigungen durchgeführt. Dass die Qualität der Produkte stimmt, belegt die ISO Zertifizierung des Unternehmens und die zahlreiche und treue Kunde, die auf Qualitätsprodukte wertlegen.

Natürlich gelten für die Beschäftigten besondere Voraussetzungen. So ist es unter den speziellen Umständen noch wichtiger, auf die Gesundheit durch ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze Rücksicht zu nehmen. Auch Lehrlinge werden bei ABC ausgebildet, die jedoch nach der Lehre einen Arbeitsplatz in einem anderen Betrieb suchen müssen.

Für Arbeiterbetriebsrat Gottfried Grasser ist das Gemeinschaftsgefühl im Betrieb wichtig. „Unsere Kolleginnen und Kollegen leisten tolle Arbeit. Trotz oder gerade wegen der besonderen Umstände ist es wichtig, für die Beschäftigten und ihre Anliegen einzutreten. Es braucht Kreativität und Flexibilität um die Arbeitsplätze auf die individuellen Anforderungsprofile der Beschäftigten zu adaptieren“, so der Betriebsrat zu den Arbeitsbedingungen.

Dipl. Ing. Thomas Höbart ist Geschäftsführer der ABC Service & Produktion GmbH und gab uns im Interview Auskunft über die Herausforderungen der integrativen Beschäftigung.

Was ist ein integrativer Betrieb?
Dipl. Ing. Thomas Höbart: Menschen mit Beeinträchtigung, die am traditionellen Arbeitsmarkt kaum Chancen haben, bekommen in Österreich seit über drei Jahrzehnten eine Möglichkeit auf Beschäftigung in Integrativen Betrieben, so auch bei uns in Kärnten bei ABC.

Von wie vielen Beschäftigten reden wir hier?
In Österreich gibt es acht solcher Betriebe, die meisten von ihnen mit mehreren Standorten mit insgesamt rund 1.800 Beschäftigten mit Beeinträchtigungen. Das sind rund sechs Prozent aller Menschen mit Behinderungen welche bundesweit unselbständig beschäftigt sind.

Wie viele davon sind in Kärnten?
Wir hier bei ABC in Kärnten haben drei Standorte und beschäftigen rund 240 MitarbeiterInnen davon haben 80% eine Behinderung. Dies ist ein viel höherer Anteil, als uns der Gesetzgeber vorschreibt. Wir bilden aber auch behinderte Lehrlinge aus. Primäres Ziel ist es, diese nach erfolgreicher Lehrabschlussprüfung am ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.

Wie kann man sich eine Beschäftigung in einem integrativen Betrieb vorstellen?
Die Beschäftigten müssen trotz ihrer Behinderung eine gewisse Leistungsfähigkeit mitbringen, um mitarbeiten bzw. an Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen zu können, denn letztendlich müssen sich die Integrativen Betriebe mit ihren Produkten und Leistungen auch am freien Markt behaupten.

Sie müssen sich am freien Markt behaupten?
Wir müssen kundenorientiert arbeiten. Unsere Kunden bestellen nicht aus sozialen Gründen, sondern entscheiden, wie alle anderen auch, nach Preis-, Qualitätskriterien und Lieferdauer. Sie sind nicht Mutter Theresa sondern suchen Lösungen und keine Probleme. Trotzdem können wir durch Qualität überzeugen, was auch unsere ISO Zertifizierungen bei ABC belegen, auf die wir sehr stolz sind.

Wie kann man das bewerkstelligen?
ABC bekommt Förderungen und zwar ausschließlich für jene Mehraufwendungen, die durch die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung gegenüber anderen Betrieben entstehen. Damit sind wir anderen Betrieben gleichgestellt. Das bedeutet auch, dass wir nach Kollektivvertrag entlohnen. Wir müssen also neben den Förderungen, die nur ca. ein Drittel ausmachen, unsere Einnahmen ganz normal erwirtschaften.

Auf was muss man bei dieser Art der Beschäftigung besonders achten?
Wir versuchen für die Beschäftigten mit Behinderungen die richtigen Adaptierungen am Arbeitsplatz vorzunehmen und auch auf die Besonderheiten Rücksicht zu nehmen. Wertschätzender Umgang und stärkenorientierter MitarbeiterInnen-Einsatz sind uns sehr wichtig. Da braucht es, trotz der industriellen Struktur in der wir uns bewegen, genügend Flexibilität.

Wie wichtig sind solche Maßnahmen?
Wir merken an der Loyalität der Beschäftigten, Integration ist ein absoluter Gewinn. Da geht es nicht um Ausgleichszahlung oder statistische Zahlen, sondern um den sozialen Profit. Die betroffenen Menschen sind mehrfach leidgeprüft und sie wollen arbeiten, bekommen aber leider oftmals keine Chance. Sinnvolle Beschäftigung mit der man das finanzielle Auskommen findet, gibt das notwendige Selbstwertgefühl ein wichtiger Teil der Gesellschaft zu sein und da sollte noch mehr investiert werden.

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