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Copyright: Wildruf Film/Sezonieri-Kampagne

Erntehelfer_innen haben Rechte!

Videokampagne der Gewerkschaft in fünf Sprachen

„Landwirtschaft ist einer der Sektoren, wo am meisten ausgebeutet wird“, sagt Arbeits- und Sozialrechtsexpertin Susi Haslinger von der Produktionsgewerkschaft PRO-GE. Vom Marchfeld bis ins Inntal, vom Seewinkel bis ins Eferdinger Becken – die Missstände auf Österreichs Feldern sind bekannt: 4 Euro Stundenlohn, unbezahlte Überstunden, inadäquate Unterkünfte. Aus Ländern wie Bulgarien, Ungarn und Rumänien kommend, verrichten jährlich mehrere Zehntausend Saisonarbeitskräfte landwirtschaftliche Hilfsarbeit und sorgen dafür, dass Österreichs Super- und Wochenmärkte mit frischem Obst und Gemüse beliefert werden. Oft werden sie weit unter Kollektivvertrag bezahlt. Selten werden sie über ihre Rechte informiert. Das sollen Infovideos der gewerkschaftlichen Sezonieri-Kampagne nun ändern.

Sezonieri.at: Saisonarbeiter_innen müssen Kollektivvertrag kennen

„Willkommen in Österreich! Dieses Video informiert Dich darüber, was Du als Erntehelfer_in über richtige Entlohnung wissen solltest.“ Die Sezonieri-Kampagne für die Rechte der Erntehelfer_innen in Österreich informiert in zwei Animationsvideos über Sozial- und Arbeitsrecht: Wie viel Lohn steht mir zu? Was mache ich, wenn ich schwanger bin? Darf ich für Schutzkleidung zur Kassa gebeten werden? In ansprechenden Bildern werden die kollektivvertraglichen Mindeststandards erklärt. Und: Die Arbeiter_innen sollen darin bestärkt werden, sich gegen Rechtsverletzungen zu wehren – unterstützt von der zuständigen PRO-GE. Die Videos sind zielgruppengerecht auf Ungarisch, Rumänisch, Deutsch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Englisch im Internet abrufbar: https://vimeo.com/sezonieri

68.000 Euro Lohnnachzahlungen

„Wir hätten früher vor Gericht gehen sollen, anstatt sieben Jahre auf unsere Rechte zu verzichten!“, ist das Fazit einer Erntehelferin aus Rumänien. Sie hat gemeinsam mit drei Kollegen vor dem Arbeitsgericht in St. Pölten gegen den Tullnerfelder Bauern geklagt, der ihr jahrelang Lohn und Sonderzahlungen vorenthalten hatte. Ergebnis: ein Vergleich über 27.000 Euro für die vier Kläger_innen. 68.000 Euro an Lohnnachzahlungen konnten landwirtschaftliche Saisonarbeitskräfte mit Hilfe der PRO-GE 2016 bis 2017 durchsetzen – außergerichtlich oder vor dem Arbeitsgericht. Die Botschaft an die Saisonarbeitskräfte: Es zahlt sich aus, für Lohnnachzahlungen und in späterer Folge eine höhere Pension zu kämpfen! Die Botschaft an die Bauern und Bäuerinnen: Am günstigsten für alle ist, den Kollektivvertrag einzuhalten! Die Kollektivverträge 2018 sind mit Anfang Jänner in fast allen Bundesländern in Kraft getreten, Tirol und NÖ ziehen im März bzw. Juni nach.

Neue Regierung untergräbt Arbeitsrecht – auch für Saisonarbeitskräfte

Im Programm der neuen Bundesregierung finden sich mehrere Angriffe auf das Arbeitsrecht. Die werden vor allem prekär Arbeitende treffen – und dazu gehören die landwirtschaftlichen Saisonarbeitskräfte. Geht es nach der ÖVP-FPÖ-Koalition, dann gibt es zukünftig „Sanktionen auch für Arbeitnehmer, die sich am Sozialbetrug beteiligen“. Übersetzt heißt das: Wenn man gegen die Arbeitgeber_innen wegen Lohnbetrug vorgeht, kann man selbst wegen zu geringer Sozialversicherungsbeiträge sanktioniert werden. „Ein Mittel, um Arbeitnehmer_innen gerade in Fällen, in denen es um ein paar Tausend Euro geht, von der Durchsetzung ihrer Rechte abzuhalten“, kritisiert Sezonieri-Aktivistin Cordula Fötsch. „Dagegen werden wir uns zur Wehr setzen.“

Die Sezonieri-Kampagne bietet rechtliche Information und Unterstützung für Erntehelfer_innen in verschiedenen Bundesländern und betreibt politische Bildungsarbeit. Sie wird getragen von: Produktionsgewerkschaft, LEFÖ, MEN VIA, Nyéléni – Bewegung für Ernährungssouveränität und unabhängigen Aktivist_innen.

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