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Saugute Geschäfte?

In österreichischen Schlachthöfen herrschen zwar bessere Bedingungen als in Deutschland. Dennoch gibt es Probleme.
Nachdem sich in einem deutschen Schlachtbetrieb über 180 MitarbeiterInnen mit Covid-19 infizierten, sind auch die teils katastrophalen Arbeitsbedingungen in dieser Branche wieder Thema. Seit Jahren kritisieren deutsche Gewerkschaften die schlechten Arbeitsbedingungen. 2017 waren rund 150.000 ArbeitnehmerInnen in deutschen Schlachthöfen beschäftigt – wohlgemerkt das Heer an ausländischen Arbeitskräften das auf Werkvertragsbasis arbeitet, nicht mitgerechnet. Es gibt keine Erhebungen, wie viele das sind. Dabei sind es vor allem sie, die das billige Exportfleisch herstellen – unter schlechten Arbeitsbedingungen, unterbezahlt und oft auch noch abgezockt, durch zu hohe Mieten für die Unterkünfte.
 
Österreich: Mindeststandards durch Kollektivvertrag
 
Wie die meisten EU-Staaten importiert auch Österreich den Großteil an Frischfleisch aus Deutschland. 2018 wurden insgesamt 370.000 Tonnen Frischfleisch importiert, allein vom Schweinefleisch kommen jährlich rund 60 Prozent aus unserem Nachbarland. Es wird vor allem dort verwendet und weiterverarbeitet, wo die Herkunft nicht gekennzeichnet sein muss. In den heimischen Supermarktregalen findet man hingegen weitgehend österreichisches Schweinefleisch. „Unsere größten Schlachtbetriebe mit mehreren hundert MitarbeiterInnen wären in Deutschland Kleinbetriebe“, verdeutlicht Erwin Kinslechner, zuständiger Branchensekretär der Produktionsgewerkschaft, die Unterschiede. In Österreich gibt es rund 12.000 ArbeiterInnen in der Fleischwirtschaft. Auch von den Arbeitsbedingungen sind unsere Betriebe nicht mit jenen in Deutschland vergleichbar. „Zwar sind auch bei uns die Löhne nicht sehr hoch. Erst letztes Jahr konnten wir nach sehr schwierigen Verhandlungen auch im Fleischergewerbe 1.500 Euro Mindestlohn erreichen. Dennoch gibt es im Gegensatz zu Deutschland bei uns einen Kollektivvertrag mit Mindeststandards, die großteils auch eingehalten werden.“
 
Wo kein Kläger, da kein Richter
 
Unterschiede gibt es aber auch unter den österreichischen Betrieben. „Während etwa in Betrieben wie Radatz, Alpenrind, Ablinger oder Wiesbauer – also in Betrieben mit Betriebsratsstrukturen auf die Einhaltung der Vorschriften zum ArbeitnehmerInnenschutz geachtet wird, können wir das in Betrieben ohne Betriebsrat nicht überprüfen. Wir gehen aber davon aus, dass es hier Missstände gibt. Die Handhabe ist aber schwierig, denn wo kein Kläger da kein Richter“, erklärt Kinslechner. Es hat auch schon öfter Fälle gegeben, in denen die ArbeitnehmerInnen zwar richtig angemeldet, aber Zuschläge nicht ausbezahlt wurden oder falsche Stundenlöhne bezahlt werden. Um nachhaltig Verbesserungen zu erreichen, versuche die Gewerkschaft immer wieder, die Betriebe zu organisieren. „Selten gelingt es. Wir haben aber auch schon erlebt, dass MitarbeiterInnen, die sich eine Betriebsratstätigkeit vorstellen konnten, im letzten Moment ausgetauscht wurden“, erzählt der Branchensekretär.
 

Zahlen und Fakten

Rund 4,1 Millionen Tonnen Frischfleisch und Fleischwaren exportierte Deutschland 2019 vor allem in die EU aber auch nach China. In dem Land wird jedes fünfte produzierte Schwein in der EU gemästet. Im Jahr 2019 wurden in deutschen Schlachthöfen rund 55 Millionen Schweine geschlachtet, in Österreich waren es rund 5,1 Millionen Schweine. Ebenso gigantisch ist der Umsatz der größten Schlachtbetriebe Deutschlands. Der größte Betrieb – Tönnies – erzielte 2018 einen Umsatz von rund 6,6 Mrd. Euro, der zweitgrößte Player – Westfleisch – immerhin noch 2,6 Milliarden Euro. Zum Vergleich: In Österreich beträgt der Gesamtumsatz der Branche rund 3 Milliarden Euro.

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