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Im Porträt: Karl Maisel

Gewerkschafter, Verächter des Nationalsozialismus und „Vater“ des ASVG
Karl Maisel am ersten ÖGB-Bundeskongress 1948
Karl Maisel am ersten ÖGB-Bundeskongress 1948
Karl Maisel an seinem 80. Geburtstag
Karl Maisel am ÖGB-Bundeskongress 1955
Karl Maisel am ersten ÖGB-Bundeskongress 1948 Karl Maisel am ersten ÖGB-Bundeskongress 1948
Karl Maisel an seinem 80. Geburtstag Karl Maisel an seinem 80. Geburtstag
Karl Maisel am ÖGB-Bundeskongress 1955
Karl Maisel wird vor 130 Jahren, am 3. November 1890, in Wien geboren. Nach dem Tod des Vaters zieht die Mutter mit den beiden Söhnen in eine kleine Wohnung im 3. Bezirk. In der Wohnung leben noch zwei „Bettgeher“ und später eine Untermieterin, die Familie lebt in ärmlichen Verhältnissen.
 
Mit fünfzehn Jahren beginnt Karl eine Lehre als Maschinenbauer. 1908 nimmt er an einem Schulstreik teil, der ihn beinahe seinen Arbeitsplatz kostet. Während des Ersten Weltkrieges dient er als Waffenmeister in Krakau, Olmütz und Wiener Neustadt. Dort erlebt er den Jännerstreik 1918. Bereits 1914 hatte Maisel bei Siemens & Halske zu arbeiten begonnen; 1918 setzt er seine Arbeit dort fort. Er wird Betriebsratsobmann. 
 
Engagement in Gewerkschaft und Partei
 
Von 1926 bis 1934 ist Maisel Sekretär der Metall- und Bergarbeitergewerkschaft und von 1932 bis 1934 ist er für die SDAP im Wiener Gemeinderat. Nach dem Verbot der Gewerkschaften arbeitet er im Zentralkomitee der „Revolutionären Sozialisten“ (RS). Er wird wiederholt festgenommen und im Juni 1934 ins Anhaltelager Wöllersdorf gebracht. Kaum entlassen, arbeitet er in der Zentralorganisation der illegalen Metall- und Bergarbeitergewerkschaft mit und wird zum 2. Obmann gewählt. 1937 wird er erneut verhaftet und kommt erst 1938 wieder frei. Maisel engagiert sich weiterhin in der illegalen Arbeiterbewegung. 
 
In der „Hölle von Buchenwald“
 
Im Zuge von Aktionen der Gestapo gegen ehemalige RS und illegale Gewerkschafter wird Maisel im August 1939 verhaftet und in das KZ Buchenwald gebracht. Dort muss er im Steinbruch arbeiten. Die schwere Arbeit und die unmenschliche Behandlung der Inhaftierten, vor allem der Juden und Polen, sind kaum zu ertragen. Maisel erlebt, wie Häftlinge absichtlich zu den Absperrungen gehen, um von den Wachposten erschossen zu werden. 1940 kommt er frei, er hat 30 kg abgenommen.
 
Nach der Befreiung 
 
Gleich nach Kriegsende wird Karl Maisel Vorsitzender der Gewerkschaft Metall-Bergbau-Energie und ist Gründungsmitglied des ÖGB. In der Folge wird er Mitglied des Parteivorstandes der SPÖ und ist von 1945 bis 1959 Nationalratsabgeordneter. Die Führung des Bundesministeriums für soziale Verwaltung hat er von 1945 bis 1956 inne und initiierte in dieser Funktion zahlreiche Sozialgesetze. Im Dezember 1947 werden ÖGB-Präsident Johann Böhm und Karl Maisel zu den vorläufigen Verwaltern des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger ernannt. Zahlreiche Gesetze, wie das Sonn- und Feiertagsgesetz, das Bauarbeiterurlaubsgesetz, das Urlaubsgesetz, das Invalideneinstellungsgesetz, das Betriebsrätegesetz, das Kollektivvertragsgesetz, das Landarbeitergesetz und das Opferfürsorgegesetz sind 1948 beschlossen.
 
Von 1948 bis 1959 ist er Vizepräsident des ÖGB, von 1956 bis 1964 ist er Präsident der AK Wien und des Österreichischen Arbeiterkammertages. 
 
Das ASVG als Meilenstein
 
Die Einführung des Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes (ASVG) 1956 sah Maisel als seine wichtigste Leistung. Im Vorfeld gab es darum politische Grabenkämpfe. Die ÖVP verbreitet, dass ArbeiterInnen und Angestellte nach der Verabschiedung des Gesetzes keine freie Ärztewahl mehr hätten, stundenlang warten müssten und dass die Beiträge für kostspielige Büropaläste ausgegeben würden. Karl Maisel wird als Verschwender tituliert, doch das Gesetz wird 1955 beschlossen und tritt am 1. Jänner 1956 in Kraft. Darin ist die Pflichtversicherung der ArbeiterInnen und Angestellten geregelt, umfasst Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung und regelt die Krankenversicherung der Pensionisten. Während es das Pensionsrecht der Angestellten schon seit 1909 gibt, schafft erst das ASVG das Pensionsrecht auch für ArbeiterInnen. 
 
Am 13. März 1982 stirbt Karl Maisel in Wien. 1995 wird die Maiselgasse im 3. Bezirk nach ihm benannt, und im 11. Bezirk trägt eine Wohnhausanlage seinen Namen.
 

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