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Arbeit gerecht verteilen

Europäische Gewerkschaften fordern Arbeitszeitverkürzung
Im August waren in Österreich 422.910 Personen arbeitslos gemeldet und 452.499 Menschen in Kurzarbeit. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte laut WIFO heuer um 6,8 Prozent einbrechen. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie werden also noch lange spürbar sein, der Arbeitsmarkt wird sich nur langsam erholen. Daher braucht es neue Modelle, um die Menschen vor Arbeitslosigkeit zu schützen und die vorhandene Arbeit besser zu verteilen. Derzeit wird in Österreich eine freiwillige Arbeitszeitverkürzung diskutiert. Vorgeschlagen wird - wenn Beschäftigte und Unternehmen zustimmen - eine Reduktion der Arbeitszeit um 20 Prozent, das Einkommen soll aber nur um wenige Prozentpunkte (5 bis 10 Prozent) sinken, da das AMS die Differenz begleichen soll. Das könnte dazu beitragen, vorhandene Arbeitsplätze zu sichern, ohne die Unternehmen zu belasten. 
 
Doch nicht nur in Österreich werden Debatten um neue Arbeitszeitmodelle geführt, sondern auch in vielen anderen europäischen Staaten sprechen sich Gewerkschaften und progressive Parteien für eine Arbeitszeitverkürzung aus, um durch den Strukturwandel gefährdete Industriearbeitsplätze zu erhalten.
 
Deutschland
 
In der bevorstehenden Tarifverhandlungsrunde in der Metall- und Elektroindustrie spricht sich die IG-Metall für die Möglichkeit der 4-Tage-Woche aus, um vor allem in der angeschlagenen Automobil- und Luftfahrtindustrie Jobs zu sichern. Nach Schätzungen der IG-Metall sind rund 300.000 der insgesamt 4 Millionen Arbeitsplätze in der Metall- und Elektroindustrie bedroht. Unternehmen wie Daimler, ZF und Bosch haben bereits im Sommer nach Auslaufen der Kurzarbeit entsprechende Regelungen zur Verringerung der wöchentlichen Arbeitszeit mit teilweisem Lohnausgleich getroffen. Bei den rund 35.000 Beschäftigten bei Bosch wird die Arbeitszeit von mehr als 35 Stunden um zehn Prozent verringert. Bei Arbeitsverträgen mit 35 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit und darunter sinkt die Arbeitszeit um 8,57 Prozent. Künftig soll diese Möglichkeit der Verringerung der wöchentlichen Arbeitszeit allen Betrieben in der Metall- und Elektroindustrie offenstehen. Mit einem gewissen Lohnausgleich für die Beschäftigten und mit Anreizen, diese freie Zeit für berufliche Fortbildung zu nutzen.“ Im Frühjahr 2018 war erstmals in einem Tarifvertrag die Wahlmöglichkeit „Zeit statt Geld“ vereinbart worden. Für die Dauer von zwei Jahren konnten Beschäftigte die Arbeitszeit auf 28,8 Stunden pro Woche verkürzen. Laut einer Umfrage stehen über 60 Prozent der Deutschen einer Vier-Tage Woche zum Schutz von Arbeitsplätzen in der Coronakrise offen gegenüber; auch Bundesarbeitsminister Heil (SPD) signalisierten Zustimmung.
 
Großbritannien
 
Um den Anstieg der Arbeitslosigkeit zu begrenzen, erneuert die Gewerkschaft Unite und der Dachverband TUC die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung in Form einer 4- Tage-Woche. Sie berufen sich dabei auf eine aktuelle Studie des progressiven Think Tank Autonomie, die davon ausgeht, dass durch den Übergang zu einer verkürzten Arbeitszeit 500 000 neue Arbeitsplätze in Großbritannien geschaffen werden könnten, wobei der öffentliche Sektor mit fünf Millionen Beschäftigten hier eine Vorreiterrolle übernehmen solle. Bereits vor der Coronakrise, hatten in einer Umfrage des TUC 45 Prozent der Beschäftigten eine 4-Tage-Woche befürwortet.
 
Finnland
 
Finnlands Premierministerin Sanna Marin fordert eine Arbeitszeitverkürzung und verweist darauf, dass dies dem Zeil der Regierung, die Beschäftigungsrate von 73,7 auf 75 Prozent zu erhöhen, nicht widerspräche. Finanzieren will sie die kürzere Arbeitszeit mit einer erhöhten Produktivität durch eine reduzierte Arbeitszeit auf 30 Stunden.
 

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