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Hygiene Austria: Ausbeutung mit System

Der Fall des niederösterreichischen Maskenproduzenten zeigt, wie wichtig effizientere Kontrollen wären

PRO-GE fordert Auftraggeberhaftung, wenn Fremdfirmen zum Einsatz kommen

Damals noch mit Sauberimage: Bundeskanzler Kurz und Arbeitsministerin Aschbacher besuchten im Mai 2020 die Maskenproduktion in Wiener Neudorf (Bild: Hygiene Austria/OTS)
Regierungsdelegation bei Hygiene Austria, Mai 2020 Damals noch mit Sauberimage: Bundeskanzler Kurz und Arbeitsministerin Aschbacher besuchten im Mai 2020 die Maskenproduktion in Wiener Neudorf (Bild: Hygiene Austria/OTS)

Der Skandal sorgte Anfang März 2021 für Schlagzeilen. Bei der Maskenfirma Hygiene Austria in Niederösterreich, einem Gemeinschaftsunternehmen von Lenzing und Palmers, ermittelte die Staatsanwaltschaft nicht nur wegen des Verdachts auf schweren gewerbsmäßigen Betrugs, sondern auch auf Lohn- und Sozialdumping. Die ArbeitnehmerInnen wurden systematisch ausgebeutet – so waren nur etwa elf direkt beim Unternehmen beschäftigt, der Rest von den 200 war über vier Leiharbeitsfirmen beschäftigt, wobei zwei davon bereits dem Finanzministerium als bekannte Scheinfirmen aufgefallen waren.

Nach Auffliegen des Skandals meldeten sich viele ehemalige Beschäftigte bei der PRO-GE und der Arbeiterkammer und und berichteten von haarsträubenden Zuständen im Betrieb. So erzählte eine Arbeiterin, dass der Arbeitsdruck enorm war: „Wer nicht nachgekommen ist oder einmal einen Tag krank war, wurde gleich gekündigt. Außerdem durften wir außerhalb der Mittagspause nicht trinken.“

Generell wurden die Beschäftigten entweder gar nicht bei der Sozialversicherung angemeldet oder sie wurden nur zum Teil oder gar nicht bezahlt. Lohndumping war gängige Praxis, ein anderer Arbeiter berichtet, acht Euro netto pro Stunde bekommen zu haben. Einen Arbeitsvertrag hat er bis heute nicht erhalten. „Unsere Recherchen zeigen, dass MitarbeiterInnen oft schwarz bezahlt wurden“, sagt Thomas Grammelhofer, zuständig in der PRO-GE für die Leiharbeitsbranche. Damit nicht genug, es sollte nichts von den Vorgängen im Betrieb nach außen dringen. Smartphones mussten zu Arbeitsbeginn teilweise abgegeben werden, auch Arbeitsunfälle sollen vertuscht worden sein.

Während PRO-GE und AK gemeinsam mit der Finanzpolizei an der Aufarbeitung der Fälle arbeiten, bleiben andere Fragen weiter offen. Wie konnten solche Machenschaften mit systematischer Ausbeutung überhaupt bei einer Firma gemacht werden, die auf öffentliche Aufträge angewiesen ist und für die sogar Bundeskanzler und Arbeitsministerin Werbung machten? Zwar ist Lenzing in der Zwischenzeit aus der gemeinsamen Tochterfirma mit Palmers ausgestiegen und ein neues Management wurde eingesetzt. Der ehemalige Geschäftsführer von Hygiene Austria, Tino Wieser, weist aber weiterhin alle Vorwürfe zurück und verweist auf die beauftragten Leiharbeitsfirmen.

Dieses Abschieben von Verantwortung lässt die PRO-GE aber nicht gelten. „Für die Arbeitsbedingungen vor Ort ist der Beschäftigerbetrieb und damit Hygiene Austria voll verantwortlich“, erläutert Grammelhofer. Auch wurden Schein- und anderweitig fragwürdige Firmen beauftragt, obwohl deren Seriosität schon auf den ersten Blick in Zweifel gezogen werden musste. „Der Fall Hygiene Austria zeigt, wie dringend wir eine Auftraggeberhaftung bei Lohn- und Sozialdumping brauchen. Wer Missstände billigend in Kauf nimmt, soll dafür auch zur Verantwortung gezogen werden können“, fordert der Gewerkschafter.

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