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„Ich bin ein Mensch der Balance“

Der Betriebsratsvorsitzende von WEBER-HYDRAULIK GmbH, Franz Damhofer, sitzt nicht nur bei Betriebsvereinbarungen fest im Sattel. In seiner Freizeit unternimmt er gerne Radtouren mit seiner Frau, als großen Ausgleich betreibt der bald 50-jährige aber den Schwimmsport. Die Glück auf! hat den sportlichen Oberösterreicher besucht.

Neugierig strecken zwei junge Kurzhaarkatzen ihre Köpfe aus einem Zimmer, als wir im oberösterreichischen Steyr die Wohnung von Franz Damhofer betreten, dem Betriebsratsvorsitzenden von WEBER-HYDRAULIK GmbH. Die Firma stellt hydraulische Rettungsgeräte etwa für Feuerwehren und andere hydraulische Produkte her, erzählt Damhofer, während uns die beiden Kater Simba und Nils auf die Loggia folgen. Von hier hat man einen schönen Ausblick auf Steyr. Man erkennt die Werkshallen der Leitbetriebe wie BMW, SKF, ZF und MAN. Die Vorkommnisse rund um MAN haben natürlich auch Franz Damhofer beschäftigt, auch wenn „sein“ Betrieb in Losenstein und damit rund 20 km südlich von Steyr angesiedelt ist. „Wir Betriebsräte der Umgebung kennen uns natürlich und tauschen uns aus. Wir kennen die wichtigsten Betriebsvereinbarungen der anderen und beraten uns gegenseitig“, erzählt der Betriebsratsvorsitzende. Man sieht ihm nicht an, dass er heuer bereits seinen 50sten Geburtstag feiert. Seine Oberarme sind muskulös, unter dem T-Shirt erkennt man kräftige Brustmuskeln.

Seit über 20 Jahren Betriebsrat

„Was mich bei MAN schockierte war, dass einige gesagt haben: ‚Geschieht ihnen recht, die verdienen eh viel zu gut.‘ Sowas versteh ich nicht. Was haben die davon, wenn andere weniger verdienen?“, schüttelt Damhofer den Kopf. Er habe in den 22 Jahren, in denen er als Betriebsrat tätig ist gemerkt, dass er sehr menschlich denke. „Ich habe die Betriebsratsarbeit zwar nie als Berufung gesehen, aber immer als Aufgabe, die mir liegt. Ich bin ein Mensch der Balance“, erzählt der Vater eines heute 21-jährigen Sohnes. „Es stört mich, wenn Menschen auf der Strecke bleiben oder etwas sehr ungerecht zugeht. Somit bin ich als Betriebsratsvorsitzender, der ich mittlerweile seit 18 Jahren bin, gut aufgehoben.“ Parallelen zieht der Oberösterreicher auch zum Schwimmsport, den er sehr intensiv betreibt: „Beim Schwimmverein gibt es auch Stärkere und Schwächere, aber trotzdem ist man auf alle stolz. Auch im Betrieb kümmern wir uns um alle und bemühen uns um einen Ausgleich.“

Franz Damhofer nach einem Schwimmwettbewerb

"Wenn ich im Wasser bin, kann ich so richtig abschalten. Ich muss auf die richtige Wasserlage achten, mich konzentrieren, dass ich richtig atme und meine Technik verbessere. Das entspannt mich einfach", erzählt Damhofer.

Gute Ausbildung ist das Um und Auf

Bei WEBER-HYDRAULIK GmbH gehöre er schon zum Inventar, scherzt Damhofer. Vor mittlerweile 34 Jahren begann er dort seine Lehre als Werkzeugmaschineur. Mit der Geschäftsführung und dem Management am Standort gebe es eine gute Zusammenarbeit. „Wir sind alle da drinnen groß geworden. Wir kennen das Unternehmen, die natürlichen Schwankungen. Niemand wird da gleich nervös“, erzählt der Betriebsratsvorsitzende. Naturgemäß gebe es unterschiedliche Interessen, das gemeinsame Anliegen sei aber ein stabiles Unternehmen mit guten Jobs. „Damit man auf Augenhöhe reden kann, braucht man aber das nötige Knowhow. Ohne die PRO-GE und VÖGB Spezialausbildungen bist du barfuß unterwegs“, verbildlicht der Sportler den Wert einer guten Betriebsratsausbildung. Sich dieses Wissen intensiv anzueignen wurde für ihn erst ab 2011 mit der Freistellung als Betriebsrat möglich: „Davor habe ich noch als Teamleiter gearbeitet, da konnte ich mich nicht so in eine Materie vertiefen. Durch die Ausbildungen hat es erst angefangen Spaß zu machen. Erst dann erkennst du Zusammenhänge und kannst gestalterisch werden.“ Seither haben sie alle Betriebsvereinbarungen im Unternehmen auf mögliche Spielräume abgeklopft und, wenn nötig, überarbeitet. „Heute haben wir saubere Vereinbarungen, die halten allem Stand“, ist der Betriebsratsvorsitzende überzeugt.

Alle LeiharbeiterInnen übernommen

Ein großes Anliegen sind Damhofer die LeiharbeiterInnen im Betrieb. „Am liebsten würde ich Leiharbeit ja abschaffen. Die Leute haben bei der Bank oder der Wohnungsvergabe immer Nachteile, das ist nicht fair“, erklärt er. „Aber leider geht das nicht und so versuchen wir wenigstens im Betrieb vernünftig mit ihnen umzugehen.“ Das Betriebsratsteam achtet darauf, dass die LeiharbeiterInnen alle Vergünstigungen wie die Stammbelegschaft bekommen. Außerdem gelang heuer erstmals ein sensationeller Erfolg: alle 21 LeiharbeiterInnen wurden zu Jahresanfang von WEBER-HYDRAULIK GmbH übernommen! „Wir haben noch nie welche zurückgeschickt, weil zu wenig Arbeit da gewesen wäre. Deswegen haben wir auch die Fixanstellungen erreicht“, erzählt Damhofer nicht ohne Stolz.

Franz Damhofer beim Radfahren

Neben dem Schwimmen unternimmt der sportliche Oberösterreicher in seiner Freizeit auch gerne Radtouren mit seiner Frau.

„Im Wasser kann ich abschalten“

Sein wichtigster Ausgleich im Leben ist der Sport. Schon als Kind war er im Schwimmverein. „Als Jugendlicher hatte ich dann andere Interessen“, grinst Damhofer „auch wenn mich der Kraftsport immer begleitete.“ Erst mit 30 Jahren entdeckte er das Schwimmen wieder für sich. „Wenn ich im Wasser bin, kann ich so richtig abschalten. Ich muss auf die richtige Wasserlage achten, mich konzentrieren, dass ich richtig atme und meine Technik verbessere. Das entspannt mich einfach“, erklärt der Sportler. Seither schwimmt er immer wieder Bestzeiten in verschiedenen Altersklassen. 2012 nahm er an der Masters-Weltmeisterschaft in Italien teil. Heuer stehen im Oktober die Österreichischen Mastersmeisterschaften in Innsbruck am Programm. Zusätzlich macht Damhofer mehrmals wöchentlich Krafttraining und fährt mit seiner Frau Mountainbiketouren. Ob er etwas nicht kann? „Laufen. Ein Betriebsratskollege läuft leidenschaftlich gern, dem kommen dabei auch gute Ideen. Ich kann während dem Schwimmen nicht nachdenken. Wenn ich auf die Wende zuschwimme und ich denke über ein Arbeitszeitmodell nach, dann würde das schiefgehen – und zwar beides.“

Franz Damhofer im Interview mit der Glück auf!

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