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Schandfleck Lederindustrie: Unternehmer verweigern 1.500 Euro

PRO-GE und GPA fordern WKÖ-Spitzen auf, endlich einzugreifen.
Das Verhandlungsteam der ArbeitnehmerInnen fordert Lohnerhöhungen und einen Mindestlohn von 1.500 Euro.
Das Verhandlungsteam der ArbeitnehmerInnen fordert Lohnerhöhungen und einen Mindestlohn von 1.500 Euro.

Vor vier Jahren haben sich die österreichischen Sozialpartner geeinigt, in allen Kollektivverträgen einen Einstiegslohn von mindestens 1.500 Euro umzusetzen. In nahezu allen Branchen ist es den Kollektivvertragspartner gelungen, oft auch durch Stufenpläne über mehrere Jahre, diesen wichtigen Meilenstein zu erreichen. Nicht so in der Lederindustrie. Trotz einer vorherigen Zusage wollen die Arbeitgeber davon nichts wissen. Der Mindestlohn in dieser Branche liegt auch noch im Jahr 2021 bei 1.305 Euro. „Das ist eine Schande für die heimische Industrie und für die Wirtschaftskammer und fügt der österreichischen Sozialpartnerschaft großen Schaden zu“, sagen die beiden gewerkschaftlichen KV-Verhandler Gerald Kreuzer (PRO-GE) und Albert Steinhauser (GPA).

Zwei Unternehmen, drei Standorte

Die ledererzeugende Industrie in Österreich besteht aus dem Unternehmen Boxmark Leder mit Standorten im steirischen Feldbach und im burgenländischen Jennersdorf sowie dem steirischen Unternehmen Wollsdorf Leder. Insgesamt stellen an diesen Standorten rund 1.500 Beschäftigte Produkte für viele Premiumkunden aus der Automobil-, Luftfahrt-, Bahn- und Möbelindustrie her. Die Arbeit in der Ledererzeugung ist dabei durchwegs schwer, schmutzig und geruchsbelastet. Trotz dieser harten Arbeit erhalten rund 450 Vollzeit-Beschäftigte weniger als 1.500 Euro brutto im Monat.

Verschleppen, blockieren und verweigern

"Die Verweigerung von sozialpartnerschaftlichen Gesprächen über eine Erhöhung des Mindestlohnes auf 1.500 Euro ist ein Skandal. Es gibt keinen Grund, warum die harte Arbeit in der Ledererzeugung weniger wert sein sollte als die Arbeit in anderen Branchen", betonen die beiden Gewerkschafter. PRO-GE und GPA fordern die Wirtschaftskammerpräsidenten der Steiermark, des Burgenlands und der Wirtschaftskammer Österreich auf, diesem unwürdigen und arbeitnehmerfeindlichen Schauspiel endlich ein Ende zu setzen. „Zwei prominente steirische Unternehmen setzen sich einfach über die Einigung der Sozialpartner-Präsidenten aus dem Jahr 2017 hinweg, verschleppen, blockieren und verweigern über Jahre eine Erhöhung. Dies können die Spitzen der WKÖ wohl doch nicht einfach hinnehmen", sagen Kreuzer und Steinhauser.

Aber nicht nur die Anhebung des Mindestlohns bzw. des Mindestgrundgehalts wird verschleppt, auch die jährlichen Kollektivvertragsverhandlungen werden von den Arbeitgebern ständig torpediert. So konnte im Jahr 2020 kein Lohn- und Gehaltsabschluss erzielt werden. In diesem Jahr fanden in den Sommermonaten bereits drei Verhandlungsrunden statt, für weitere Verhandlungen wurde von den Arbeitgebern noch immer kein Termin angeboten. Aus diesem Blickpunkt klingen die auf den Unternehmens-Websites veröffentlichten CSR-Erklärungen wie eine bewusste Verhöhnung der ArbeitnehmerInnen. Die beiden Unternehmen geben unter anderem an, Corporate Social Responsibility sehr ernst zu nehmen. In diesen Erklärungen wird unter anderem ein „fairer und ehrliche Umgang miteinander“ vereinbart oder auch festgestellt, dass „soziale, ökonomische und ökologische Aspekte in Umgang mit MitarbeiterInnen“ permanent gelebt werden. 

Forderungen der Gewerkschaften 

Bei den abgebrochenen Kollektivvertragsverhandlungen ist jedenfalls von einer Verantwortung für die Beschäftigten nichts zu spüren. Kreuzer und Steinhauser fordern, dass sich die beiden weltweit tätigen und traditionsreichen Unternehmen weiteren Gesprächen nicht verwehren. "Lohn- und Gehaltserhöhungen sowie die Umsetzung von 1.500 Euro als niedrigsten Einstiegslohn sind überfällig", sagen Kreuzer und Steinhauser. Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA fordern für die Beschäftigten weiterhin eine ordentliche Erhöhung der Löhne und Gehälter für 2021. Die Umsetzung eines Mindestlohns bzw. Grundgehaltes von 1.500 Euro und eine nachträgliche Abgeltung für das Jahr 2020.

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