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Finnland: Streik bei Papierkonzern UPM

Unternehmen verweigert weiterhin Tarifverhandlungen

2.200 Beschäftigte seit 1. Jänner im Arbeitskampf

Streikende UPM-ArbeiterInnen in Kouvola am 1. Jänner. Foto aufgenommen von Streikteilnehmer Henri Koskela.
Streikende UPM-ArbeiterInnen, Kouvola/Finnland, 1. Jänner 2022 Streikende UPM-ArbeiterInnen in Kouvola am 1. Jänner. Foto aufgenommen von Streikteilnehmer Henri Koskela.

Ein seit Jahresbeginn andauernder Streik beim finnischen Forst-, Zellstoff- und Papierkonzern UPM wurde weiter verlängert bis zumindest 12. März, berichtet IndustriALL Global Union. Der Branchenkollektivvertrag für die Papierindustrie wurde im Oktober 2020 vom Arbeitgeberverband aufgekündigt. Bis zum endgültigen Auslaufen der Vereinbarung mit Ende 2021 haben die finnischen Gewerkschaften mit allen wesentlichen Unternehmen der Branche eigene Tarifvereinbarungen abschließen können mit Ausnahme von UPM. Der in 12 Ländern tätige Konzern, zu dem auch Papierfabrik und Sägewerk im oberösterreichischen Steyrermühl gehören, verweigert beharrlich Verhandlungen für eine unternehmensweite Vereinbarung.

Unternehmen will Arbeitnehmer gegeneinander ausspielen

UPM verlangt separate Verhandlungen und Verträge für ArbeiterInnen aus fünf Unternehmensbereichen, Verhandlungen für die Angestellte werden vom Unternehmen generell abgelehnt. Zusätzlich macht das Unternehmen drastische Verlängerungen der Arbeitszeit zur Bedingung für Lohnerhöhungen, wodurch viel ArbeiterInnen eine effektive Lohnkürzung von 20 bis 30 Prozent hinnehmen müssten. Seit 1. Jänner wird daher an allen UPM-Standorten in Finnland ein von der Papiergewerkschaft Paperiliitto, der Industriegewerkschaft Teollisuusliitto für die ArbeiterInnen and der Angestelltengewerkschaft Proliitto organisierter Streik durchgeführt.

Keine Verhandlungsbereitschaft bei UPM

"Wir haben UPM zu Gesprächen eingeladen, aber sie haben abgelehnt", berichtet Paperiliitto-Vorsitzender Petri Vanhala. "Unsere einzige Forderung ist, das System der Kollektivverhandlungen nicht zu zerstören und den Standard einzuhalten, den wir mit den anderen Unternehmen des Sektors vereinbart haben." Vermittlungsversuche scheiterten an der Verweigerung des Unternehmens, sich mit den Gewerkschaften an einen Tisch zu setzen. Stattdessen verspricht UPM Streikbrechern einen Bonus von 30 Euro pro Tag. Hafen- und Eisenbahnarbeiter erklärten sich mit den Streikenden solidarisch und weigern sich, Waren des Konzerns abzufertigen.

Papier könnte bald knappes Gut sein

Die Auswirkungen des Streiks gehen mittlerweile so weit, dass ein europaweiter Papiermangel befürchtet wird. Laut IndustriALL hat UPM einigen seiner Kunden bereits gewarnt, dass Liefervereinbarungen nicht eingehalten werden können. Das Unternehmen beruft sich dabei auf Höhere Gewalt, um einer Haftung für Vertragsverletzungen zu entgehen. Für die Gewerkschaften ist eindeutig, dass hier keine Höhere Gewalt vorliegt, sondern von UPM ein Konflikt aus rein ideologischer Veranlassung bewusst ausgelöst wurde. Auch der Europäische Gerichtshof hat 2021 in einem Urteil entschieden, dass Maßnahmen des Arbeitskampfes keine Höhere Gewalt darstellen.

Gewerkschaftsfeindliche Agenda des Managements

"Mit dem sturen Beharren, kollektive Verhandlungen zu zerschlagen, hält UPM Europa in Geiselhaft", kritisiert Tom Grinter, Leiter des IndustriALL-Sektors Zellstoff und Papier und kündigt an, den Schwindel zu entlarven, wenn sich UPM sich mit dem Hinweis auf Höhere Gewalt seiner Verantwortung entziehen will. Für Paperiliitto-Vorsitzenden Vanhala ist klar: "Wir wollen zurück an die Arbeit bei UPM. Unsere Kollektivverträge mit den anderen Branchenvertretern geben die Richtung vor. Das einzige Hindernis ist ein gewerkschaftsfeindlicher Angriff, den das UPM-Managements aus ideologischen, nicht aus wirtschaftlichen Gründen führt."

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