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Anerkennung und Wertschätzung für Frauen in der Produktion

Arbeiterinnen in der Produktion werden von Regierung vergessen

„Der Internationale Frauentag steht für die PRO-GE im Zeichen des Dankes an alle Frauen in den Produktionsbetrieben, die Tag für Tag ihre Schichten antreten und die als Arbeiterinnen in hohem Ausmaß zur Wertschöpfung beitragen. Die Leistung, die sie hier für uns alle erbringen, kann nicht hoch genug geschätzt werden“, so Klaudia Frieben, Bundesfrauenvorsitzende der Gewerkschaft PRO-GE. Während der Corona-Krise wurden diese Frauen aber weitgehend vergessen. „Die Regierung hat hier versagt“, betont Frieben, die beispielsweise auf den fehlenden Anspruch auf Freistellung von schwangeren Produktionsmitarbeiterinnen in der Corona-Krise verweist. 

Die Produktion von Waren ist systemrelevant; ohne sie gäbe es keine Nahrung, keine Medikamente, keine Gebrauchsgüter, keine Investitionen in Bau oder in Mobilität. Sehr viele Frauen sind in diesen Bereichen beschäftigt, zum Teil unter körperlicher Anstrengung, monotonen Arbeitsvorgängen, Hitze, Nässe, Lärm und das meist zu sehr untypischen Arbeitszeiten, z. B. Schichtbetrieb oder Nachtarbeit. Frauen in der Produktion sind auch stark betroffen vom technischen Wandel und müssen sich diesen Veränderungen stellen, um nicht den Arbeitsplatz zu verlieren. 

Frauen während Corona-Pandemie massiv belastet

„Frauen in der Produktion waren konfrontiert mit Kurzarbeit und Einkommenseinbußen, sie mussten trotz hohem Infektionsrisiko und anfangs schlechten Schutzmaßnahmen ihre Schichten antreten. Sie mussten dafür sorgen, dass ihre Kinder versorgt sind, während die Schul- und Betreuungseinrichtungen geschlossen wurden, besonders Alleinerzieherinnen waren massiv belastet“, sagt Klaudia Frieben. Von Seiten der Regierung hätten Arbeiterinnen aber keine Unterstützung erfahren, so fehle für schwangere Frauen in der Produktion bis heute die Möglichkeit, vorzeitig freigestellt zu werden, obwohl das erhöhte Risiko für Schwangere mittlerweile wissenschaftlich belegt sei. „Viele Frauen in der Produktion sind aufgrund jahrelanger körperlicher Arbeit gezwungen, krankheitsbedingt vorzeitig aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Mit körperlichen Einschränkungen sind sie hoch armutsgefährdet, weil sie nicht mehr vermittelbar sind und dadurch eine sehr niedrige Pension haben“, erläutert Frieben. Auch hier gebe es bis heute keine echten Bestrebungen, ihre Altersversorgung zu verbessern und Altersarmut zu vermeiden. 

Arbeiterinnen vor Altersarmut schützen

„Arbeiterinnen in den systemrelevanten Produktionen, brauchen dringend gute Einkommen, einen Rechtsanspruch auf eine Kinderbetreuung auch für untypische Arbeitszeiten, ausreichende Pflegeangebote mit einem Rechtsanspruch auf Pflegekarenz und den verbesserten Zugang zur Schwerarbeitspension. Da die Erhöhung des Frauenpensionsantrittsalter beginnt, brauchen sie abschlagsfreie Pensionen und die Erhöhung der Bemessungsgrundlage der Kindererziehungszeiten auf das Durchschnittseinkommen von Männern UND Frauen, um sie vor Altersarmut schützen“, so die Gewerkschafterin.

Den Internationalen Frauentag 2022 nehmen die PRO-GE Frauen in ganz Österreich zum Anlass, um ihre Wertschätzung und Respekt vor der Leistung der Frauen in der Produktion zum Ausdruck zu bringen.

Zur Geschichte des Frauentages

Die Tradition des Internationalen Frauentages hat ihre Wurzeln in der Arbeitnehmerinnenbewegung im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurden Frauen doppelt ausgebeutet: einerseits bei der Fabriksarbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen und andererseits im Hinblick auf unzumutbare Lebensumstände bei katastrophalen Wohnverhältnissen. 1909 wurde daher in den USA der erste Frauentag begangen. 1910 wurde anlässlich der II. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen beschlossen, einen jährlichen Internationalen Frauentag einzuführen, um für die Interessen der Frauen gegen mehrfache Ausbeutung und Unterdrückung zu mobilisieren. 1921 wurde der Internationale Frauentag erstmals am 8. März begangen. Das Datum erinnert an den Textilarbeiterinnenaufstand in New York 1857, bei dem 129 Arbeiterinnen ums Leben gekommen sind und an den Textilarbeiterinnenstreik 1917 in St. Petersburg. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Frauentag verboten, erst in den 60er Jahren wurde er wiederbelebt.

Der Kampf um Frauenrechte hat sich auch in Österreich bezahlt gemacht. Seit den 70er Jahren konnten viele Erfolge erzielt werden. Dazu gehören unter anderem Abschaffung der Frauenlohngruppen in den Kollektivverträgen, die Reform des Familienrechts, das Gleichbehandlungsgesetz , verbesserte Mutterschutzbestimmungen und Gewaltschutz. 

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