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Salzburger Bäcker Ketter sperrt zu

Preisdruck der Handelskonzerne zu groß – 54 Mitarbeiter betroffen

Daniela Wiermeier und Daniel Mühlberger mit Ketter-Betriebsrat Manfred Jöbstl (Mitte)
Daniela Wiermeier und Daniel Mühlberger mit Ketter-Betriebsrat Manfred Jöbstl (Mitte) Daniela Wiermeier und Daniel Mühlberger mit Ketter-Betriebsrat Manfred Jöbstl (Mitte)

Der Bäcker Ketter schließt seinen Betrieb. Das seit 400 Jahren bestehende Unternehmen, das ursprünglich als Gasthaus gegründet wurde und seit 1900 im Besitz der Familie Ketter ist, war einer der letzten Traditionsbäcker im Bundesland Salzburg. „Mit der Bäckerei Ketter geht wieder ein Handwerksbetrieb im besten Sinne verloren“, bedauert Daniel Mühlberger, Landessekretär der Produktionsgewerkschaft PRO-GE Salzburg. „Als mittelständischer Bäckereibetrieb setzte Ketter auf handwerkliches Können und höchste Qualitätskriterien.“

Besonders bitter ist die Betriebsschließung für die 54 Mitarbeiter: 49 Arbeiter und fünf Angestellte sind der Firma zum Teil bereits seit Jahrzehnten verbunden. „Das Durchschnittsalter der Gekündigten ist 49 Jahre. Für mich als Betriebsrat ist die Schließung meine traurigste Stunde, ich bin in großer Sorge um meine Kolleginnen und Kollegen“, erklärt Manfred Jöbstl, der seit über 30 Jahren bei Ketter arbeitet und selbst noch jede Nacht in der Backstube steht. „Selbst unter den verschärften Corona-Bedingungen haben wir alle mit vollem Einsatz, höchstem handwerklichem Können und viel Liebe zum Detail gearbeitet. Die Qualität unserer Ware ist immer im Vordergrund gestanden!“

Daniela Wiermeier, Fachexpertin der Gewerkschaft PRO-GE, betreut den Betrieb: „Durch die letztlich doch überraschende Schließung verlieren viele hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Arbeit, die sie nun bereits über viele Jahre ausgeübt haben. Durch die enge Verbundenheit zum Betrieb sehen wir einige besonders dramatische Schicksale: so arbeitet beispielsweise ein Ehepaar – 59 und 60 Jahre alt – bereits seit Jahrzehnten im Betrieb und bewohnt eine der acht Dienstwohnungen direkt oberhalb der Backstube. Nun ist beides weg: Job und Wohnung.“

Viele weitere Mitarbeiter, die nur mehr wenige Jahre bis zur Pension hätten, verlieren ebenfalls ihre Lebensgrundlage: „In der momentanen Situation wird es für sie sehr schwierig werden, überhaupt wieder Beschäftigung zu finden“, ergänzt Wiermeier. „Wir können die Entscheidung des Unternehmens als Gewerkschaft nur hinnehmen. Oberste Priorität ist für uns jetzt, die MitarbeiterInnen zu unterstützen, ihnen bei der Jobsuche zu helfen und soziale Härtefälle abzufedern. Und natürlich auch Verhandlungen mit dem Eigentümer über soziale Abfederungen und Maßnahmen zu führen.“

„Für uns als Lebensmittelgewerkschaft ist die Schließung des Unternehmens ein Stich ins Herz. Aus zahlreichen Gesprächen mit dem Betriebsrat und auch dem Eigentümer wissen wir, wie eng der Markt in den letzten Jahren für handwerkliche Qualität geworden ist: Die Betriebe stehen unter enormem Preisdruck der großen Handelskonzerne, die aus Kostengründen teilweise gefrorene Teigrohlinge zukaufen. Diese Teigrohlinge werden maschinell erzeugt, eingefroren geliefert und in den Backshops aufgebacken. Und letztlich billigst verkauft. Der ‚echte‘ Bäcker kann da nicht mehr mithalten“, bedauert Mühlberger diese Entwicklung, die durch die Corona-Pandemie beschleunigt wurde.

„Da mit der Schließung des Bäckereifachbetriebs nun Menschen nicht ‚nur‘ ihre Arbeit verlieren – was in Zeiten der Rekordarbeitslosigkeit ohnehin tragisch genug ist – sondern auch ihre Wohnungen und plötzlich unverschuldet auf der Straße stehen, appellieren wir an die Verantwortlichen in Stadt und Land, hier besonders hinzuschauen und schnell unbürokratisch zu helfen!“, so der dringende Wunsch des PRO-GE Landessekretär.

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