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Streiks in deutscher Fleischindustrie

Darum kämpft die NGG um höhere Löhne, mehr Urlaub und deutschlandweite Kollektivverträge
Seit Jahresbeginn ist den deutschen Fleischbetrieben mit mehr als 50 Beschäftigten verboten, für das Schlachten und Zerlegen Arbeitskräfte über Werkverträge mit Subunternehmern anzuheuern. Seit April ist auch der Einsatz von Zeitarbeitern untersagt. Im Kerngeschäft dürfen also nur noch fest angestellte MitarbeiterInnen zum Einsatz kommen. Mit diesen Regelungen aus dem neuen Arbeitsschutzkontrollgesetz will die deutsche Bundesregierung den teils skandalösen Arbeitsbedingungen in der Fleischbranche einen Riegel vorschieben. Seither sind viele Betriebe dazu übergegangen, ehemalige Werkvertragsbeschäftigte – viele davon aus Ost- und Südosteuropa – fest anzustellen. Nun fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mehr Geld für die 160.000 Beschäftigten. Vor allem sollen die Kollektivverträge deutschlandweit gelten.
 
Video: PRO-GE Branchenexperte Erwin Kinslechner im Interview über den Lohnkampf in Deutschland und die Unterschiede in der Fleischbranche zwischen Österreich und Deutschland 
 

 
Weiterhin prekäre Wohnsituationen
 
Aber bisher fällt das Fazit zu den Regelungen aus Sicht der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) durchwachsen aus. Einige Unternehmen haben bereits im vergangenen Jahr die WerkvertragsarbeiterInnen als eigene ArbeitnehmerInnen eingestellt. "Damit ändert sich natürlich nicht von heute auf morgen die Führungskultur oder der Umgang mit den Menschen", sagt etwa Szabolcs Sepsi von der gewerkschaftlichen Beratungsstelle "Faire Mobilität“. Laut Sepsi ist nach wie vor die Wohnsituation ein großes Problem - er höre immer noch davon, dass teils sechs Personen in Drei-Zimmer-Wohnungen untergebracht seien und jeder 190 bis 200 Euro Monatsmiete bezahlen müsse.
 
Mehr Geld und bessere kollektivvertragliche Absicherung
 
Ein großes Thema unter den Beschäftigten sind die bisher erfolglosen Verhandlungen um neue Kollektivverträge (in Deutschland Tarifverträge) für die rund 160.000 Beschäftigten. Am 29. März hatte bereits die dritte Tarifverhandlung stattgefunden. Die Arbeitgeber haben auch in dieser Verhandlung kein "ernstzunehmendes Angebot" vorgelegt, kritisiert Freddy Adjan, stellvertretender NGG-Vorsitzender: "Arbeitgeber, die Jahr für Jahr Millionen-Umsätze einfahren, bezeichnen 10,50 Euro pro Stunde als ihre Schmerzgrenze. Für diejenigen, die weiter mit solch einem Armutslohn klarkommen sollen, ist das der pure Hohn."
 
Verpflichtende Kollektivverträge
 
Ziel der Gewerkschaft NGG sind Tarifverträge, die für die ganze Branche verpflichtend gelten (Anm.: Deutschland hat ein anderes Kollektivvertragssystem wie Österreich). Adjan: "Mit Ausbeutung und Billiglöhnen wurden in deutschen Schlachthöfen und Wurstfabriken jahrzehntelang nicht nur billige Produkte, sondern auch Skandale ohne Ende produziert. Die Beschäftigten erwarten, dass sie für ihren Knochenjob endlich ordentlich bezahlt werden."
 
Die Gewerkschaft NGG ist mit folgenden Forderungen in die Verhandlungen gegangen:
 
  • Mindestlohn von 12,50 Euro pro Stunde für alle Beschäftigten in der Schlachtung und Verarbeitung, einschließlich Geflügel,
  • Erhöhung des Mindestlohns auf 14 Euro pro Stunde nach einer kurzen Einarbeitungszeit,
  • Mindestlohn von 17 Euro pro Stunde für FacharbeiterInnen.
  • In einem weiteren Tarifvertrag sollen die Mindestarbeitsbedingungen wie Arbeitszeit, Arbeitszeitkonten, Zuschläge und Urlaub für die rund 160.000 Beschäftigten in der Branche geregelt werden. Diese Tarifverträge sollen vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales für allgemeinverbindlich erklärt werden. Das heißt, sie gelten dann für alle Beschäftigten in der Fleischwirtschaft unmittelbar und zwingend, unabhängig davon, ob ein Arbeitgeber tarifgebunden ist.

Mehr zum Thema

>> Fleischatlas 2021: Probleme, die aus der industriellen Fleischproduktion entstehen

>> Der Trafikonflikt in der Fleichindustrie - Link zu NGG

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