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Hohe Erwartungen an die Herbstlohnrunde

Putins Angriffskrieg auf die Ukraine und seine erpresserische Energie-Politik gegenüber Europa in Folge, sowie Probleme in globalen Lieferketten lassen auch in Österreich die Inflation steigen, wie wir es seit Jahrzehnten nicht kennen. Knapp über 9 Prozent betrug die Inflation im Juli. Die Erwartungen für die kommenden Lohnrunden – allen voran die Verhandlungen in der Metallindustrie – sind demnach hoch. Doch was können Lohnerhöhungen bewirken?
Inflation bedeutet, dass die Preise für gewisse Produkte steigen. Ganz einfach ausgedrückt - die Menschen können sich mit der Zeit weniger für ihr Geld leisten. Wenn die Kaufkraft zurückgeht, spüren das besonders Haushalte mit niedrigem Einkommen, denn sie geben anteilsmäßig mehr für alltägliche Güter aus als Besserverdiener. In Österreich betreffe das rund 1,3 Millionen Haushalte, so der Chefökonom der Arbeiterkammer, Markus Marterbauer. Und das Problem wird sich nicht so schnell wieder geben. Wirtschaftsforschungsinstitute prognostizieren zweistellige Inflationsraten, bevor sie 2023 wieder langsam zurückgehen sollen – wenn die Prognosen überhaupt zutreffen.
 
Die Theorie der Lohn-Preis-Spirale
 
Infolgedessen ist der Wunsch nach einer kräftigen Lohnerhöhung als Ausgleich für die steigenden Preise verständlich. Die Wirtschaft warnt allerdings vor einer Lohn-Preis-Spirale wonach die Inflation erst recht angetrieben würde, wenn die Unternehmen die steigenden Lohnkosten durch Preissteigerungen bei den Produkten an die Konsument:innen weitergeben würden. So würden die Preise noch mehr anziehen, die Lohnforderungen wieder höher ausfallen und so weiter – eine Spirale würde sich in Gang setzen. Soweit zumindest die Theorie. Denn viele Ökonom:innen widersprechen der Annahme, da die Preise für Produkte noch von anderen Faktoren als nur den Lohnkosten abhängen würden. Außerdem müssten Preissteigerungen nicht zwingend weitergegeben werden, würden Unternehmen stattdessen kleinere Gewinnmargen in Kauf nehmen. Auch folgen die Löhne den Preisen, nicht umgekehrt. Für KV-Verhandlungen wird eine durchschnittliche Inflation der letzten zwölf Monate herangezogen. Diese liegt zurzeit unter der monatlichen Inflation und wird erst voraussichtlich im Frühjahr höher sein als die Monatsinflation.
 
Konzerne als Trittbrettfahrer
 
Deshalb warnen andere Ökonom:innen, wie etwa Marterbauer, eher vor einer Gewinn-Preis-Spirale. Unternehmen bzw. Branchen würden als Trittbrettfahrer agieren und ihre Preise erhöhen, ohne selbst höhere Aufwendungen zu haben. So verzeichnen etwa Energiekonzerne, aber auch manche Lebensmittel- oder Baustoffkonzerne durch Preissteigerungen enorme Gewinnsteigerungen. Auch Mieten steigen derzeit im Zuge der Inflation und bescheren enorm hohe Gewinnmargen, obwohl die Energiekosten über die Betriebskosten abgedeckt werden und nicht über die Mieten.
 
Lohnerhöhungen statt Einmalzahlungen
 
Sind kräftige Lohnerhöhungen nun ein gutes Mittel, um wieder in den von der Europäischen Zentralbank angestrebten Bereich von rund zwei Prozent Inflation zu kommen oder nicht? Viele Unternehmen erteilen hohen Lohnforderungen bereits jetzt eine Absage. Einmalzahlungen sollen vielmehr genügen, um die Menschen zu entlasten. Außerdem müsste die Arbeitnehmerseite bei den Lohnforderungen auch die staatlichen Hilfen für die Haushalte gegen die Teuerung berücksichtigen, wird von Wirtschaftsseite argumentiert. Dass die Milliardenhilfen an Unternehmen während der Corona-Pandemie nie berücksichtigt wurden, wird dabei nur allzu gern vergessen. 
 
Die Parameter für die KV-Verhandlungen liegen in der Vergangenheit und die Werte der letzten zwölf Monate sind in vielen Bereichen sehr ansehnlich. „Auch heuer werden die rollierende Inflation und die Produktivitätssteigerung der letzten zwölf Monate die Verhandlungsbasis ergeben“, erklärt Rainer Wimmer, PRO-GE Chefverhandler für die Metallindustrie und fordert: „Die Unternehmen haben sehr gut verdient, die Gewinne sprudeln. Wir wollen einen Reallohnzuwachs erreichen.“ Einmalzahlungen werde man statt Lohnerhöhungen nicht akzeptieren, so der Gewerkschafter. Denn während Einmalzahlungen verpuffen, wirken Lohnerhöhungen nachhaltig und stabilisieren die Kaufkraft. Darauf wies kürzlich sogar der wirtschaftsliberale Ökonom, Gabriel Felbermayr vom WIFO in der Presse hin: „Heuer sei der Reallohnverlust schon da, aber wenn die Löhne ab 2023 stark steigen, werde ein Teil der Kaufkraftverluste aufgefangen. Und das sei 'viel wichtiger' als die staatlichen Hilfen.“ Lohnerhöhungen sind also kein Allheilmittel gegen die Inflation, aber ein probates Mittel, um die Kaufkraft zu erhalten.
 
 

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