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Arbeitszeiterfolge in den Kollektivverträgen

Was wir bisher in den Kollektivverträgen zur Arbeitszeit erreichten - ein Überblick.

Bei den Kollektivvertragsverhandlungen im Herbst ist die PRO-GE mit dem klaren Ziel angetreten, einen Ausgleich für die negativen Auswirkungen des 12-Stunden-Tages zu schaffen. Nach den erfolgreichen Abschlüssen mit Metallindustrie, Metallgewerbe und Brauindustrie ist es Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen.

 

Metallindustrie: Wahlfreiheit zwischen Zeit und Geld

In der Metallindustrie wird die bisher befristete Regelung eines mindestens 50-prozentigen Zuschlags an Samstagen und eines mindestens 150-prozentigen Zuschlags an Sonn- und Feiertagen wird dauerhaft im Kollektivvertrag aufgenommen. Auch die dafür geltende Wahlfreiheit der ArbeitnehmerInnen, sich zwischen Zeit und Geld zu entscheiden, bleibt. Ab der dritten Stunde über der Normalarbeitszeit sowie ab der 51. Arbeitsstunde in der Woche, wird ab 1. Juli 2019 ein 100-prozentiger Zuschlag fällig. Zusätzlich wird die Nachtarbeits- bzw. Nachtschichtzulage in vier Jahresetappen um insgesamt 28 Prozent erhöht. Bei Tagesarbeitszeiten von mehr als zehn Stunden ist künftig eine zusätzliche bezahlte Pause von mindestens zehn Minuten vorzusehen. Für die außerordentliche zusätzliche Wochenend- und Feiertagsarbeit gebührt eine 18-minütige bezahlte Pause pro Schicht.

Einer der größten Kritikpunkte am Regierungsbeschluss betrifft die Freiwilligkeit bei der 11. und 12. Stunde. Hierzu wurde allen ArbeitnehmerInnen ein Ablehnungsrecht zugesichert, das „frei von Angst und Druck“ ausgeübt werden kann. Zur Kontrolle wird eine paritätisch zu besetzende Monitoring-Kommission eingesetzt.

 

Metallgewerbe: Betriebsvereinbarung zu neuem Arbeitszeitmodell möglich

Im Metallgewerbe ist bei langen Arbeitstagen über zehn Stunden künftig eine zusätzliche bezahlte Pause von zehn Minuten vorzusehen. Ab der dritten Überstunde eines Arbeitstages wird bis 19 Uhr künftig ein 75-prozentiger Zuschlag ausbezahlt, ab 19 Uhr gilt wie bisher ein 100-prozentiger Zuschlag. Mittels Betriebsvereinbarung kann ein neues Arbeitszeit-Modell angewendet werden. Innerhalb eines Durchrechnungszeitraums von acht bzw. 13 Wochen kann die tägliche Normalarbeitszeit auf zehn Stunden ausgedehnt werden, wenn die durchschnittliche wöchentliche Normalarbeitszeit innerhalb dieses Zeitraums 36 Stunden nicht überschreitet. Die Normalarbeitszeit darf in einzelnen Wochen 50 Stunden (bei acht Wochen Durchrechnung) bzw. 48 Stunden (bei 13 Wochen) nicht überschreiten.

 

Brauindustrie: 100 Prozent auf 11. und 12. Stunde

Für die rund 3.500 Brauerei-Beschäftigten gelang ebenfalls erst unter Androhung von Warnstreiks ein erfolgreicher Abschluss. Hier stand neben den Lohnerhöhungen um 3,2 Prozent auch die Arbeitszeit im Fokus. Für die elfte und zwölfte Arbeitsstunde bzw. ab der 51. Wochenstunde gilt künftig ein Zuschlag von 100 Prozent. Dazu wurde eine bezahlte Pause von zehn Minuten nach der elften Stunde vereinbart.

 

Alkoholfreie Erfrischungsgetränkeindustrie: 100-Prozent Zuschlag

Ab 1. Jänner gilt auch in der Alkoholfreie Erfrischungsgetränkeindustrie ein 100-prozentiger Zuschlag für die elfte und zwölfte Stunde, sofern es sich um die dritte bzw. vierte Überstunde des Tages handelt. Ebenfalls 100 Prozent Zuschlag fallen ab der 51. Arbeitsstunde in der Woche an, wenn sie Überstunden sind.

 

OGT-Industrie und Süßwarenindustrie: Umziehpausen

In der Obst-, Gemüseveredelungs- und Tiefkühlindustrie (OGT-Industrie) regelt der Kollektivvertrag bezüglich Arbeitszeit, dass ab 1. Februar 2019 vor Leistung einer elften und zwölften Arbeitsstunde bzw. dritten und vierten Überstunde am Tag das Einvernehmen mit dem Betriebsrat herzustellen ist. Weiters ist eine bezahlte Pause von 15 Minuten zu gewähren. Zusätzlich erreichte die PRO-GE eine Abgeltung für das An-/Ablegen vorgeschriebener Arbeitskleidung in Form von „Kurzpausen“ im Gesamtausmaß von acht Minuten pro Schicht oder Arbeitstag. Zusammengerechnet ergeben diese Pausen mehr als vier Arbeitstage pro Jahr.

Ähnliches gilt ab 1. März in der Süßwarenindustrie. Auch hier ist für die elfte und zwölfte Arbeitsstunde bzw. dritte und vierte Überstunde das Einvernehmen mit dem Betriebsrat nötig. Vor diesen Arbeitstunden muss jeweils eine zehnminütige bezahlte Pause eingeräumt werden. Und auch in der Süßwarenindustrie gilt künftig die bezahlte Umziehpause von acht Minuten pro Tag/Schicht.

 

Zuckerindustrie: Eine Stunde Zeitzuschlag 

Beim KV-Abschluss für die Zuckerindustrie erreichte die PRO-GE einen einstündigen Zeitzuschlag, wenn zwölf Stunden im Kampagnen-Schichtbetrieb gearbeitet werden. Außerdem wurde kollektivvertraglich festgeschrieben, dass die Zustimmung des Betriebsrates bei einem 12-Stunden-Tag notwendig ist.

 

Konkrete Verbesserungen erreicht

„Wir haben uns vor den Verhandlungen zum Ziel gesetzt, dass sich einerseits für Beschäftigte, die lange Arbeitszeiten leisten, das auch lohnen muss und andererseits jene geschützt werden müssen, die Überstunden ablehnen“, erinnert PRO-GE Verhandlungsleiter Rainer Wimmer. „Mit diesen Abschlüssen haben wir ganz konkrete Verbesserungen in diese Richtung erzielt.“

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