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Gewerkschaften formieren Widerstand

Tausende BetriebsrätInnen bei Konferenzen in ganz Österreich

"Wir sprechen uns ausdrücklich gegen den vorliegenden Entwurf zum 12-Stunden-Tag bzw. der 60-Stunden-Woche aus und fordern alle Parlamentsparteien auf, diesen nicht zu beschließen." So lautet der Beschluss der Betriebsrätekonferenzen, die bislang in sieben Bundesländern stattgefunden haben. Tausende BetriebsrätInnen, JugendvertrauensrätInnen und PersonalvertreterInnen aus allen Fachgewerkschaften und Fraktionen nahmen an den Konferenzen teil.

Sollte die Regierung ihre Pläne tatsächlich umsetzen, werde man auf allen Ebenen Ausgleichsmaßnahmen fordern und durchsetzen, heißt es in der Resolution weiter. Über die betrieblichen Aktionen hinaus werde man gemeinsam mit dem ÖGB für ein soziales und gerechtes Österreich kämpfen sowie mit aller Kraft für kürzere Arbeitszeiten, Wahlrecht zwischen Zeit und Geld und für mehr Planbarkeit in der Arbeitszeit eintreten.

Für ArbeitnehmerInnen steht folgende Hotline zur Verfügung, unter der ÖGB-ExpertInnen zum Thema Arbeitszeit befragt werden können: 0800 22 12 00 60

>>> Alle Infos unter www.neinzum12stundentag.at
>>> Mehr Infos der PRO-GE gibt es hier!

Oberösterreich

Kalliauer: "Beschäftigte würden bis zu zwei Milliarden Euro verlieren"

"Wenn die Bundesregierung den 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche tatsächlich einführt, dann nimmt sie den Beschäftigten weitere bis zu zwei Milliarden Euro aus den bezahlten Überstunden weg. Viele Menschen in Österreich würden damit Geld verlieren, für das sie derzeit hart arbeiten", warnt der ÖGB-Landesvorsitzende, AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer, vor drohendem Lohnraub in der Kürnberghalle in Leonding bei Linz vor über 1.000 TeilnehmerInnen. Er weist darauf hin, dass die österreichischen ArbeitnehmerInnen schon jetzt jährlich eine Viertel-Milliarde Über- und Mehrarbeitsstunden leisten.

Mehr Arbeitsunfälle

Neben den finanziellen Auswirkungen für die ArbeitnehmerInnen stehe auch die Gesundheit auf dem Spiel. "Länger zu arbeiten verursacht Müdigkeit, wodurch erwiesenermaßen mehr Unfälle passieren. Ab der zehnten Stunde geschehen die meisten Arbeitsunfälle und ab der zwölften Stunde wird auch der Heimweg zur Gefahr", sagt Kalliauer.

Wimmer: "Das wird kein Lüfterl, das wird ein Sturm!"

"Die Betriebsrätekonferenz hat uns gezeigt, dass Solidarität und Kampfbereitschaft hoch sind. Die Regierung und auch die Besteller der derzeitigen Politik - die Unternehmer – können sich auf massiven Widerstand einstellen. Das wird kein Lüfterl, das wird ein Sturm!", so PRO-GE Vorsitzender Rainer Wimmer. "Eindeutig ist auch das Ansinnen, Betriebsräte und somit das Mitbestimmungsrecht der ArbeitnehmervertreterInnen zurückzudrängen. Künftig werden die Beschäftigten alleine mit ihrem Vorgesetzten aushandeln müssen, ob sie Überstunden leisten können oder nicht. Wer dann am längeren Ast sitzt, ist absehbar", sagt Wimmer.

Herbstlohnrunde wird heiß

Er verweist weiters darauf, dass man in der bevorstehenden Herbstlohnrunde alles daransetzen wird, über die Kollektivverträge die drohenden gesetzlichen Verschlechterungen abzufedern. "Mit Lohnerhöhungen allein werden wir uns diesmal nicht zufriedengeben. Jetzt geht es um mehr: Um das Verteidigen jener Rechte, die in den letzten hundert Jahren hart erkämpft wurden."

>>> Fotos von der BR-Konferenz in Leonding

 

Wien

12-Stunden-Tag ist Katastrophe vor allem für Frauen

In der ÖGB-Zentrale in Wien kamen am Montag mehr als 1.200 BetriebsrätInnen, PersonalvertreterInnen und GewerkschafterInnen aus allen sieben Fachgewerkschaften zusammen. Für die ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende Korinna Schumann sorgen vor allem die Jubelmeldungen von ÖVP und FPÖ, dass der 12-Stunden-Tag die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erleichtern würden, für Kopfschütteln: „Die Betreuungsstruktur in Österreich macht es Frauen jetzt schon schwer, 40 Stunden zu arbeiten. Die Pläne der Bundesregierung führen zu einer noch höheren Teilzeitquote und in weiterer Folge zu Altersarmut. Die Gewerkschaften werden das nicht akzeptieren“.

Auf die Schwierigkeiten, die sich vor allem für Frauen ergeben würden, weisen auch mehrere Betriebsrätinnen hin. Heimhelferin Natascha Feigl berichtet: „In unserer Branche arbeiten vor allem Frauen. Viele sind alleinerziehend. Wir sind bereits jetzt körperlich und psychisch sehr belastet. Eine 60-Stunden-Woche wäre eine Katastrophe“. Kindergartenpädagogin Judith Hintermeier sagt dazu: „Es ist jetzt schon anstrengend, und es wird immer mehr erwartet. Wir sind jetzt schon familienergänzend, bald sind wir Familienersatz. Und so soll es wirklich nicht sein.“

Harald Funovits, Vorsitzender des Vertrauenspersonenausschusses Ost 1 der A1 Telekom, warnte: „Die erste verhaltensoriginelle Führungskraft, die glaubt, dass der 12-Stunden-Tag Usus ist, die wird schauen, was wir gemeinsam für eine Macht haben. Wir drehen euch die Hütte zu!“ Auch Peter Grandits, Konzernbetriebsrat der PORR AG, kündigt eventuelle Kampfmaßnahmen an: „Vor hundert Jahren haben sie einen 8-Stunden-Tag eingeführt, weil sie gesehen haben, dass sich die Leute zu Tode arbeiten. Und jetzt bewegen wir uns hundert Jahre zurück! Wenn es hart auf hart geht, werdet ihr im Radio hören: ‚Die Westautobahn ist gesperrt, da haben sie Schotter verloren. Die Flughafenautobahn ist gesperrt, da haben sie Beton verloren. Alle Wege nach Wien sind gesperrt.’ Da kennen wir nichts!“

Auch Christian Hackl, Betriebsrat bei Manner, stellt sich klar gegen längere Arbeitszeiten. Mit Bezug auf den Werbeslogan der Waffel-Firma sagt er: „Eines kann ich euch ganz sicher sagen: Wir wollen keine 12 Stunden. Die mag man eben nicht! Wir lassen uns das nicht gefallen, wir gehen auf die Barrikaden!“

Zum Abschluss rief ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian zur Teilnahme an der Großdemonstration gegen den 12-Stunden-Tag am 30. Juni auf: „Was mir am meisten auf die Nerven geht, ist, dass irgendwelche Hobbyjuristen, die sich nicht einmal mit dem Gesetz auseinandergesetzt haben oder den eigenen Antrag erklären können, sagen, die Gewerkschaft betreibt Propaganda. Dieser Gesetzesvorschlag ist ein Angriff auf die Gesundheit und Geldbörsen der ArbeitnehmerInnen – das bestätigen auch anerkannte Juristen“, sagt der ÖGB-Präsident. „Wenn einer sagt, bei uns bleibt alles wie es ist, dann überprüft das genau und glaubt es nicht. Denn natürlich können sie regelmäßig 12 Stunden anordnen. Im Extremfall 13 Wochen, 12 Stunden am Tag, 60 Stunden die Woche und dann 4 Wochen frei. Das ist möglich. Das ist kein Märchen! Dagegen setzen wir uns zur Wehr – jetzt, am Samstag und darüber hinaus! Wir wollen ein gutes Leben für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer!“

>>> Fotos von der BR-Konferenz in Wien
 

Niederösterreich

Gewerkschaften bereit, Konflikt auszutragen

Mehr als 1.650 BetriebsrätInnen, PersonalvertreterInnen und JugendvertrauensrätInnen aus allen sieben Fachgewerkschaften und aus allen Bezirken Niederösterreichs fanden sich am Montag auch in St. Pölten ein. „Es geht um unser Geld, um unsere Zeit und um unsere Gesundheit“, so der PRO-GE Vorsitzende Rainer Wimmer in seiner Rede. „Die Regierung bläst zum Angriff auf die ArbeitnehmerInnen. Wenn die Regierung diese Auseinandersetzung führen will, muss sie wissen, dass sie in den Gewerkschaften einen starken Gegner hat. Wir sind bereit, diesen Konflikt auszutragen und das werden wir kommenden Samstag eindrucksvoll unter Beweis stellen", rief er zur Teilnahme an der Demonstration des ÖGB am 30. Juni in Wien auf.

AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser betonte: „Wir sagen ganz klar, Flexibilisierung ist keine Einbahnstraße. Das habe ich immer wieder klargestellt. Wenn die Regierung trotzdem meint, Geisterfahrer spielen zu müssen, dann werden wir ihnen zeigen, dass sie nicht in einer Einbahn, sondern in einer Sackgasse fahren." Und weiter: „Wir werden nicht kampflos zuschauen, wie die sozialstaatlichen Errungenschaften Schritt für Schritt zerschlagen und zerstört werden." BetriebsrätInnen, PersonalvertreterInnen und JugendvertrauensrätInnen können die Menschen mobilisieren, haben ein Herz, eine Seele, den Mut und die Entschlossenheit gegen all diese Anschläge auf die arbeitenden Menschen anzukämpfen.


>>> Fotos von der BR-Konferenz in St. Pölten (NÖ)
 

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