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Urlaub in Corona-Zeiten

Welche Rechte und Pflichten haben ArbeitnehmerInnen, wenn sie diesen Sommer verreisen?

Auch wenn der Urlaub diesen Sommer immer noch pandemiebedingten Einschränkungen unterliegt, so bieten sich doch wieder deutlich mehr Möglichkeiten zum Verreisen an als letztes Jahr. Für ArbeitnehmerInnen können sich daraus arbeitsrechtliche Fragen ergeben – hier sind die wichtigsten Antworten:

Muss ich meinem Arbeitgeber sagen, wohin ich auf Urlaub fahre/gefahren bin?

ArbeitnehmerInnen sind nicht verpflichtet, dem Arbeitgeber von sich aus mitzuteilen, wohin sie auf Urlaub fahren wollen.

Denkbar erscheint der Fall, in dem ein Arbeitgeber nach einem Urlaub nachfragt, ob man sich in einem Gebiet aufgehalten hat, für das eine Reisewarnung gilt. Dies würde aber nur der allgemeinen Fürsorgepflicht des Arbeitgebers entsprechen. Der Arbeitgeber könnte somit geeignete Schutzmaßnahmen treffen. Andere negative arbeitsrechtliche Konsequenzen sind hingegen nicht zulässig.

Was passiert, wenn ich während eines Auslandsurlaubs an Corona erkranke? Verliere ich den Anspruch auf Entgeltfortzahlung?

Nein, dafür gibt es keine Rechtsgrundlage. Bei jeder Auslandsreise müssen aber die Sicherheitsbestimmungen (Abstandsregeln, verpflichtender Mund- und Nasenschutz, etc.) des jeweiligen Landes befolgt werden. Wenn Sie dennoch am Coronavirus erkranken, ist zu unterscheiden:

  • Solange Sie sich noch im Ausland befinden, gilt das Epidemiegesetz nicht. Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung wird nach allgemeinen Grundsätzen beurteilt. Eine Erkrankung an COVID-19 unterbricht jedenfalls den Urlaub, wenn sie länger als 3 Kalendertage dauert (§ 5 Urlaubsgesetz). Es ist dabei auf das Verhalten abzustellen, das zur Erkrankung geführt hat. Haben Sie nachweislich die lokalen Sicherheitsvorkehrungen (Abstandsregeln, Maskenpflicht, etc.) nicht eingehalten, besteht die Gefahr, die Entgeltfortzahlung für die Zeit im Ausland zu verlieren. Bei dieser Beurteilung fließt auch die Frage ein, ob für Ihr Reiseziel bei Antritt der Reise etwa eine ausdrückliche Reisewarnung (Stufe 5 und 6) vorlag.

  • Sobald Sie wieder nach Österreich einreisen, fallen Sie unter die Bestimmungen des Epidemiegesetzes. Sind Sie bereits erkrankt oder besteht in Ihrem Fall ein konkreter Krankheitsverdacht, werden Sie (nach Rücksprache mit der Gesundheitsbehörde) abgesondert (Quarantäne) und behalten für diese Dauer den vollen Entgeltfortzahlungsanspruch. Ihr Arbeitgeber bekommt diesen vom Bund ersetzt. Für diesen Entgeltfortzahlungsanspruch spielt es im Übrigen keine Rolle, in welchem Land Sie sich aufgehalten haben und welches Verhalten konkret zur Infektion geführt hat.

Ich muss nach meinem Urlaub im Ausland in Quarantäne. Steht mir für diese Zeit Entgeltfortzahlung zu?

Wenn dies bei Antritt Ihrer Reise bereits bekannt war, kann der Arbeitgeber unter Umständen die Leistung der Entgeltfortzahlung für diesen Zeitraum verweigern.

Wir empfehlen daher, sich vor der Reise über Reisebeschränkungen zu informieren.

Wenn Sie nach ihrem Auslandsaufenthalt die Arbeit nicht rechtzeitig antreten können aufgrund der Quarantäne, ist es sinnvoll diesen Umstand bei der Urlaubs- bzw. Zeitausgleichsplanung zu berücksichtigen.

Darf mein Arbeitgeber eine Impfung verlangen?

Es gibt in Österreich derzeit keine gesetzliche Impfpflicht. Arbeitnehmer können daher vom Arbeitgeber nicht zur Corona-Impfung verpflichtet werden.

Was passiert, wenn ich wegen eines Unwetters oder einer anderen Umweltkatastrophe nicht rechtzeitig an meinen Arbeitsplatz komme?

Wenn extreme Wetterbedingungen den rechtzeitigen Arbeitsantritt verhindern, liegt ein sogenannter Dienstverhinderungsgrund vor, der das Fernbleiben rechtfertigt. Man muss aber alles Zumutbare unternehmen, um zur Arbeit zu kommen, und man muss den Arbeitgeber von der Verspätung bzw. der Verhinderung informieren.

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