Um dir bestmögliches Service zu bieten, speichert proge.at Informationen über deinen Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklärst du dich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen darüber findest Du in der Datenschutzerklärung.
www.proge.at

Erntearbeit: Kampf gegen Ausbeutung geht weiter

PRO-GE fordert mehr Kontrollen in der Landwirtschaft
Rund 15.000 ErntearbeiterInnen werden auch heuer wieder dafür sorgen, dass heimisches Obst und Gemüse in den Supermarktregalen zu finden ist. Ein Großteil von ihnen kommt aus EU-Ländern wie Rumänien, Bulgarien oder Ungarn, mehr als 3.000 werden aber auch dieses Jahr aus Drittstaaten wie der Ukraine oder Serbien kommen.
 
Unterbezahlung, überbordende Arbeitszeiten und miserable Unterkünfte sind nur einige der Probleme, mit denen die PRO-GE immer wieder konfrontiert wird. Daher wurde bereits 2014 die Sezonieri-Kampagne  
ins Leben gerufen. Gemeinsam mit AktivistInnen leistet die PRO-GE Aufklärungsarbeit vor Ort und unterstützt ErntearbeiterInnen bei der Durchsetzung ihrer Rechte. Auf den Feldern wird Informationsmaterial in verschiedenen Sprachen verteilt und es stehen Ansprechpartner zur Verfügung, mit denen sich die ErntearbeiterInnen in ihrer jeweiligen Muttersprache austauschen können. Wie Susanne Haslinger, Fachexpertin für Sozialpolitik in der PRO-GE, betont, geht es aber nicht nur um möglichst niederschwellige Hilfe für die ErntearbeiterInnen sondern die Sezonieri-Kampagne versteht sich auch als starke Lobbygruppe, um auf politischer Ebene Verbesserungen zu erreichen.
 

 
Skandale rund um die Ausbeutung von ErntearbeiterInnen waren in den vergangenen Jahren nur Randnotizen in den Medien. Wie Karl Orthaber, Fachexperte für den Agrarbereich festhält, hat die Corona-Krise dazu geführt, dass ErntearbeiterInnen endlich sichtbar wurden. Die Einreiseverbote haben drastisch vor Augen geführt, wie wichtig die ErntearbeiterInnen für die heimische Landwirtschaft sind. Ebenso rückten die Arbeitsbedingungen in den Fokus, der Fall über die schlechten Unterkünfte in einem niederösterreichischen Spargelbetrieb 
wurde von allen österreichischen Medien aufgegriffen und breit diskutiert.
 

 
Preiskampf beenden
 
Die geringen Löhne und schlechten Arbeitsbedingungen für ErntearbeiterInnen werden oft mit den geringen Preisen begründet, die die Konsumenten erwarten. Sónia Melo von der Sezonieri-Kampagne glaubt aber nicht, dass Gemüse und Obst sehr viel teurer werden müssen, wenn die Regeln eingehalten werden. Sie sieht das Problem in den hohen Spannen, die der Handel aufschlägt. 
 
Bernhard Höfler von der PRO-GE Tirol fordert für sein Bundesland ein Landesunternehmen, das Grundnahrungsmittel von regionalen Produzenten direkt ohne Zwischenhändler vertreibt. Damit verbunden sein sollen gestützte und für alle leistbare Preise. Abnehmer könnten Einrichtungen wie Großkantinen von landeseigenen Betrieben, Schulen oder Kindergärten sein. Hohe Qualitätsstandards, Einhaltung von arbeitsrechtlichen Bestimmungen, guter und menschlicher Umgang mit den ArbeitnehmerInnen in der Landwirtschaft, saubere Produktionsstandards – das wären mögliche Voraussetzungen, um als Lieferant in das angedachte ‚Landesunternehmen‘ aufgenommen zu werden. 
 
Was es in ganz Österreich braucht, sind mehr Kontrollen in der Landwirtschaft. 2020 wurden laut Finanzpolizei lediglich 315 Betriebe kontrolliert, das ist eindeutig zu wenig, um die Missstände aufzudecken.
 
Arbeitsrechte EU-weit schützen
 
Derzeit wird die nächste Förderperiode für die Gemeinsame Agrarpolitik der EU, kurz GAP, verhandelt. Die portugiesische Ratspräsidentschaft hat den Vorschlag gemacht, die Vergabe von EU-Fördergeldern an die Einhaltung von Arbeitsrechten zu koppeln. Vonseiten des EU-Parlaments und großer Mitgliedsstaaten wie Spanien, Italien oder Frankreich wird der Vorstoß unterstützt. 13 Mitgliedsländer blockieren aber, darunter auch Österreich. Mehr noch: Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger stellt sich an die Spitze jener Länder, die weiterhin die Ausbeutung der ErntearbeiterInnen hinnehmen wollen. Für PRO-GE Bundesvorsitzenden Rainer Wimmer ist das völlig unverständlich: "Wer gegen Gesetze zum Schutz von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern verstößt, darf dabei nicht auch noch mit öffentlichen Geldern unterstützt werden."  Dass hier nicht zugestimmt werde, sei nicht nur zum Schaden der ArbeiterInnen, sondern auch all jener Landwirte, die sich an die Regeln halten und daher im Preiskampf unterlegen sind. „Hier werden Betrüger von der Landwirtschaftsministerin beschützt“, sagt Wimmer. Wird jetzt nicht gehandelt, dann muss wieder mehrere Jahre gewartet werden, um EU-weit Verbesserungen für ErntearbeiterInnen zu erzielen, denn die derzeit in Verhandlung befindlichen Legislativvorschläge zur GAP werden bis 2027 in Kraft sein.
 

Das könnte Sie auch interessieren

28.04.2021

Gesetzliche Gleichstellung für 1,3 Mio. ArbeiterInnen kommt

Meilenstein im Kampf für mehr Gerechtigkeit
28.04.2021

100.000 Todesfälle durch Arbeitsunfälle oder arbeitsbedingte Erkrankungen

28. April: Internationaler Arbeitergedenktag
16.04.2021

Feinkostsektor: Arbeitgeber verweigern 1.500 Euro Mindestlohn!

Branche will Angleichung der Kündigungsfristen torpedieren
07.04.2021

Neue ÖGB-Kampagne: Gründe einen Betriebsrat!

Sei du die starke Stimme für deine Kolleginnen und Kollegen und setz dich für mehr Fairness in der Arbeitswelt ein
19.03.2021

PRO-GE Tirol: Mehr Regionalität in den Supermarktregalen

Abnahmegarantien sorgen für faire Arbeitsbedingungen
18.03.2021

Kündigungsfristen müssen mit 1. Juli angeglichen werden

Beschluss im ÖGB-Vorstand - Gewerkschaften werden nicht nachgeben
15.03.2021

Textilbranche ist Löhne in Milliardenhöhe schuldig

Menschenrechts-Allianz fordert bessere Absicherung von ArbeiterInnen
10.03.2021

Hygiene Austria: PRO-GE fordert Auftraggeberhaftung bei Lohn- und Sozialdumping

Wer bewusst unseriöse Leiharbeitsanbieter beauftragt, soll auch für Missstände geradestehen
26.02.2021

Ausbeutung darf nicht mit EU-Fördergeld belohnt werden

Gemeinsame Agrarpolitik der EU: Landwirtschaftsministerin Köstinger führt Attacken gegen soziale Absicherung von LandarbeiterInnen an
17.02.2021

EU: Arbeitsrechte müssen Voraussetzung für Agrarförderungen werden

Offener Brief von EFFAT zur Neuausrichtung der gemeinsamen Agrarpolitik

Artikel weiterempfehlen

Newsletterauswahl

PRO-GE Newsletter

Geschlecht
Geschlecht:
Name

Mit dem Absenden dieses Formulars stimme ich der Verarbeitung meiner eingegebenen personenbezogenen Daten gemäß den Datenschutzbestimmungen zu.