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Kinderarbeit

Schokoladeproduzierende Unternehmen haben sich bereits 2001 zur Umsetzung von Maßnahmen verpflichtet, um Kinderarbeit auf Kakaoplantagen zu beenden. Die Frist ist nun abgelaufen, geschehen ist nicht viel.

Die bittere Seite der Schokolade

2020 und noch immer kein Ende der Kinderarbeit im Kakaoanbau in Sicht: Am 29. Juni 2020 wird ein Bericht der Universität von Chicago über Kinderarbeit im Kakaosektor veröffentlicht. Dieser kommt zum Schluss, dass der Einsatz von Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen in Ghana und der Elfenbeinküste in den letzten zehn Jahren sogar zugenommen hat.

Obwohl sich im Jahr 2001 alle großen Schokolade-Unternehmen mit dem Harkin-Engel-Protokoll auf die Abschaffung der Kinderarbeit im Kakaoanbau geeinigt haben, ist Kinderarbeit in diesem Sektor noch immer weit verbreitet. Die Frist für die Schokoladenindustrie, Kinderarbeit zu beenden, ist im Juni 2020 nun endgültig ausgelaufen. „Als dominierende Marktteilnehmer haben Schokoladenkonzerne sowohl die Macht als auch die Verantwortung für die Einhaltung der Menschenrechte und menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Kakao- und Schokoladeproduktion zu sorgen", fordert Gerhard Riess von der Gewerkschaft PRO-GE.

Weniger als 2 Euro am Tag

„2,26 Millionen Kinder in der Elfenbeinküste und in Ghana sind in der Kakaoproduktion tätig, Tendenz leider steigend. Der größte Teil von ihnen muss gefährliche Arbeiten verrichten: Sie schlagen Kakaoschoten mit Macheten auf, schleppen schwere Säcke oder verspritzen Pestizide, oft in langen Schichten“, klärt Gudrun Glocker, Mitarbeiterin der entwicklungspolitischen Organisation Südwind, über die Situation der Kinder im Kakaoanbau auf. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Kakaobäuerinnen und -bauern in Westafrika verdienen oft weniger als zwei Euro pro Tag, Armut ist Hauptursache für Kinderarbeit.

Hohe Verletzungsgefahr

Ein großer Teil der Arbeit, die von Kindern gemacht wird, wird als gefährlich eingestuft. Die Verletzungsgefahr ist sehr hoch. Anstatt in die Schule zu gehen, leisten Kinder viele Stunden schwere körperliche Arbeit. So schleppen sie zum Beispiel Säcke mit Kakaobohnen oder Wasser für die Behandlung mit Insektiziden und schlagen die Schoten mit Macheten auf. Sie machen viele Tätigkeiten, die laut der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO/ILO) für unter 17-Jährige strengstens verboten sind.

Harkin-Engel-Protokoll

Dabei haben die weltgrößten Schokoladeproduzenten bereits 2001 auf massiven Druck der Zivilgesellschaft das Harkin-Engel-Protokoll unterzeichnet und sich damit verpflichtet, Maßnahmen gegen Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen zu setzen. Hintergrund war die Veröffentlichung einer Studie der UNICEF und des U.S. State Departments, welche unzählige Fälle von versklavten Kindern aus Mali, Burkina Faso und Togo auf Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste und Ghana öffentlich machte. Doch die Frist für die Umsetzung der Maßnahmen wurde immer wieder verschoben.

Langsames Einlenken der Unternehmen

"Wir stehen nun vor einer neuen Situation. Die Perspektivenlosigkeit bei den Kakaobauern und deren Kindern hat dazu geführt, dass diese keine Zukunft mehr im Kakaoanbau sehen", erklärt Riess. Sinkende Erträge und Abwanderung der nächsten Generation in die Städte führen dazu, dass immer weniger Kakao angebaut wird und der steigende Bedarf an Kakaobohnen kaum noch gedeckt werden kann. "Erst jetzt reagieren die Konzerne. Zur Sicherung des Rohstoffes müssen sie rasch handeln und neben einer fairen Bezahlung, die Kakaobauern und Kakaobäuerinnen aktiv unterstützen, nachhaltigen Anbau zu betreiben, soziale Arbeitsbedingungen zu gewährleisten und ausbeuterische Kinderarbeit ein für alle Mal zu beenden“, so der Gewerkschafter.

Make chocolate fair!

Nichtregierungsorganisationen aus 16 EU-Ländern - in Österreich Südwind, PRO-GE, Weltumspannend Arbeiten, Dreikönigsaktion, Fairtrade und Greenpeace - haben bereits vor Jahren eine Petition gestartet, um die Schokoladeunternehmen zum Umdenken zu bringen. Zu den Forderungen gehörten:

  • faire Preise für Kakaobauern und Kakaobäuerinnen, damit deren Kinder nicht mitarbeiten müssen; die Zahlung existenzsichernder Löhne für PlantagenarbeiterInnen;
  • die bedingungslose Einhaltung des Verbots von ausbeuterischer Kinderarbeit;
  • die Unterstützung für eine ökologisch-nachhaltige und diversifizierte Landwirtschaft und eine unabhängige Kontrolle der Zulieferkette.

Am Ende der Kampagne wurden Anfang Dezember 2015, 122.826 Unterschriften in Brüssel an den Dachverband der Europäischen Süßwarenhersteller CAOBISCO übergeben. Die europäische Schokoladenindustrie hat sich daraufhin zum ersten Mal öffentlich dazu bekannt, sich an der Berechnung eines existenzsichernden Einkommens für Kakaobauernfamilien zu beteiligen. Sabine Nafziger, CAOBISCO Geschäftsführerin, versprach bei der Übergabe außerdem, dass europäische Schokoladenunternehmen ihre Bemühungen zur Bekämpfung von Kinderarbeit beschleunigen werden. Sie nannte zudem als wichtiges Instrument zur Zertifizierung und Rückverfolgung von nachhaltigem Kakao die Entwicklung des europaweiten CEN/ISO-Standards.

"Es ist höchste Zeit, der Ausbeutung von Kindern ein Ende zu setzen. Es gilt, die Verantwortung bei den Unternehmen einzufordern, beim Zukauf ihres Kakao nachweislich sicherzustellen, dass beim Anbau des Kakaos die Erwachsenen genug verdienen und keine Kinder ausgebeutet werden", so Bernhard Zeilinger von Südwind Österreich abschließend.

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