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Kinderarbeit

Schokoladeproduzierende Unternehmen haben sich bereits 2001 zur Umsetzung von Maßnahmen verpflichtet, um Kinderarbeit auf Kakaoplantagen zu beenden. Geschehen ist allerdings noch nicht sehr viel.

Die bittere Seite der Schokolade

Kinderarbeit auf Kakaoplantagen ist weiterhin weit verbreitet. Laut einem Bericht der Tulane Universität (USA) aus dem Jahr 2015 arbeiten allein in der Elfenbeinküste und in Ghana mehr als zwei Millionen Kinder auf Kakaoplantagen. Und sie werden mehr statt weniger, obwohl sich im Jahr 2001 alle großen Schokolade-Unternehmen mit dem Harkin-Engel-Protokoll auf die Abschaffung der Kinderarbeit im Kakaoanbau geeinigt haben. Die Frist dafür läuft im Jahr 2020 endgültig aus. „Die Unternehmen müssen jetzt handeln, wenn wir ihre Versprechen ernst nehmen sollen. Bis 2020 ist nicht mehr viel Zeit“, so Gerhard Riess von der Gewerkschaft PRO-GE.

Kinderarbeit nimmt zu

Die Tulane-Universität hat eine Befragung von knapp 2.300 bäuerlichen Haushalten/Betrieben in Ghana und Elfenbeinküste durchgeführt. Es wurde erhoben, dass im Zeitraum 2013/14 in beiden Ländern rund 2,26 Millionen Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren in der Kakaoproduktion arbeiteten. Um 443.000 mehr als fünf Jahre davor, als zum ersten Mal von Tulane Kinderarbeit in diesen Ländern untersucht wurde. Der Anteil der 5 bis 11-Jährigen beträgt über 40 Prozent.

Beunruhigend ist der massive Anstieg der Kinderarbeit in der kriegsgebeutelten Elfenbeinküste um rund 40 Prozent. In Ghana gab es hingegen einen leichten Rückgang. Laut dem International Labor Rights Fund werden in diesen beiden Ländern rund 70 Prozent aller Kakaobohnen für den Weltmarkt geerntet.

Hohe Verletzungsgefahr

Der Tulane-Bericht stuft einen großen Teil der Arbeit, die von Kindern gemacht wird, als gefährlich ein. Die Verletzungsgefahr ist sehr hoch. Anstatt in die Schule zu gehen, leisten Kinder viele Stunden schwere körperliche Arbeit. So schleppen sie zum Beispiel Säcke mit Kakaobohnen oder Wasser für die Behandlung mit Insektiziden und schlagen die Schoten mit Macheten auf. Sie machen viele Tätigkeiten, die laut der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO/ILO) für unter 17-Jährige strengstens verboten sind.

Harkin-Engel-Protokoll

Dabei haben die weltgrößten Schokoladeproduzenten bereits 2001 auf massiven Druck der Zivilgesellschaft das Harkin-Engel-Protokoll unterzeichnet und sich damit verpflichtet, Maßnahmen gegen Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen zu setzen. Hintergrund war die Veröffentlichung einer Studie der UNICEF und des U.S. State Departments, welche unzählige Fälle von versklavten Kindern aus Mali, Burkina Faso und Togo auf Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste und Ghana öffentlich machte. Doch die Frist für die Umsetzung der Maßnahmen wurde immer wieder verschoben.

Langsames Einlenken der Unternehmen

"Wir stehen nun vor einer völlig neuen Situation. Die Perspektivenlosigkeit bei den Kakaobauern und deren Kindern hat dazu geführt, dass diese keine Zukunft mehr im Kakaoanbau sehen", erklärt Riess. Sinkende Erträge und Abwanderung der nächsten Generation in die Städte führen dazu, dass immer weniger Kakao angebaut wird und der steigende Bedarf an Kakaobohnen kaum noch gedeckt werden kann. "Erst jetzt reagieren die Konzerne. Zur Sicherung des Rohstoffes müssen sie rasch handeln und neben einer fairen Bezahlung, die Kakaobauern und Kakaobäuerinnen aktiv unterstützen, nachhaltigen Anbau zu betreiben, soziale Arbeitsbedingungen zu gewährleisten und ausbeuterische Kinderarbeit ein für alle Mal zu beenden“, so der Gewerkschafter.

Make chocolate fair!

Nichtregierungsorganisationen aus 16 EU-Ländern - in Österreich Südwind, PRO-GE, Weltumspannend Arbeiten, Dreikönigsaktion, Fairtrade und Greenpeace - haben bereits vor Jahren eine Petition gestartet, um die Schokoladeunternehmen zum Umdenken zu bringen. Zu den Forderungen gehörten:

  • faire Preise für Kakaobauern und Kakaobäuerinnen, damit deren Kinder nicht mitarbeiten müssen; die Zahlung existenzsichernder Löhne für PlantagenarbeiterInnen;
  • die bedingungslose Einhaltung des Verbots von ausbeuterischer Kinderarbeit;
  • die Unterstützung für eine ökologisch-nachhaltige und diversifizierte Landwirtschaft und eine unabhängige Kontrolle der Zulieferkette.

Am Ende der Kampagne wurden Anfang Dezember 2015, 122.826 Unterschriften in Brüssel an den Dachverband der Europäischen Süßwarenhersteller CAOBISCO übergeben. Die europäische Schokoladenindustrie hat sich daraufhin zum ersten Mal öffentlich dazu bekannt, sich an der Berechnung eines existenzsichernden Einkommens für Kakaobauernfamilien zu beteiligen. Sabine Nafziger, CAOBISCO Geschäftsführerin, versprach bei der Übergabe außerdem, dass europäische Schokoladenunternehmen ihre Bemühungen zur Bekämpfung von Kinderarbeit beschleunigen werden. Sie nannte zudem als wichtiges Instrument zur Zertifizierung und Rückverfolgung von nachhaltigem Kakao die Entwicklung des europaweiten CEN/ISO-Standards.

"Es ist höchste Zeit, der Ausbeutung von Kindern ein Ende zu setzen. Es gilt, die Verantwortung bei den Unternehmen einzufordern, beim Zukauf ihres Kakao nachweislich sicherzustellen, dass beim Anbau des Kakaos die Erwachsenen genug verdienen und keine Kinder ausgebeutet werden", so Bernhard Zeilinger von Südwind Österreich abschließend.

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