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„Wir brauchen hier nicht viele Manager“

Wie sieht Gewerkschaftsarbeit außerhalb Österreichs aus? Beim einmonatigen Europapraktikum der Sozialakademie können sich BetriebsrätInnen und GewerkschafterInnen ein Bild davon machen. Sascha Ernszt erzählt von seinen Erfahrungen aus Norwegen.
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Sascha Ernszt arbeitet seit Juli 2019 im Branchen- und Kollektivvertragsbereich der PRO-GE. Der gelernte Elektriker (Siemens) war fünf Jahre lang Jugendvorsitzender der PRO-GE und im ÖGB. 2018 bis 2019 hat Sascha die Sozialakademie von ÖGB und AK absolviert.
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Sascha Ernszt Sascha Ernszt arbeitet seit Juli 2019 im Branchen- und Kollektivvertragsbereich der PRO-GE. Der gelernte Elektriker (Siemens) war fünf Jahre lang Jugendvorsitzender der PRO-GE und im ÖGB. 2018 bis 2019 hat Sascha die Sozialakademie von ÖGB und AK absolviert.

Warum hast du Norwegen für dein Europapraktikum gewählt?

Skandinavische Länder haben den Ruf, fortschrittlich zu sein. Ich dachte: Da kann ich viel mitnehmen. Gewerkschaftlich habe ich mir eine „andere Welt“ erwartet. Die wollte ich kennenlernen. Und das Land ist ja auch sehr schön.

Bei welcher Gewerkschaft hast du mitgearbeitet?

Ich war bei der Gewerkschaft Fellesforbundet, der größten ArbeiterInnengewerkschaft im Privatsektor mit 160.000 Mitgliedern. Fellesforbundet vertritt ArbeitnehmerInnen aus der Gastronomie, der Fischindustrie, bis hin zu den Mechanikern, die eine Ölplattform aufbauen.

Vor welchen Herausforderungen steht die Fellesforbundet?

Leiharbeit ist ein großes Thema. Aus baltischen Ländern kommen ArbeiterInnen, die für drei bis vier Euro pro Stunde, vor allem am Bau und in der Gastronomie, arbeiten. Die Anreise ist durch Billig-Airlines und -Fähren besonders günstig. Um 40 Euro bekommt man etwa einen Hin- und Rückflug von Tallinn nach Oslo. Fragen dazu sind: Wie können wir unsere Kollektivverträge weiter ausbauen? Wie kann man LeiharbeiterInnen organisieren? Ich habe ihnen vom Kollektivvertrag der PRO-GE für überlassene Arbeitskräfte erzählt. Das gibt es in Norwegen nicht.

Norwegen hat sich 1994 gegen eine EU-Mitgliedschaft entschieden. Stattdessen ist es dem Europäischen Wirtschaftsraum beigetreten. Wie steht das Land heute zur EU?

Ein EU-Beitritt kommt für Norwegen nicht in Frage. Schon allein deswegen nicht, weil die EU dann auf den Ölfonds zugreifen könnte, auf dem der gesamte Reichtum des Landes fußt. Damit wird etwa das gesamte Sozialsystem finanziert. Beim Gewerkschaftstag der Fellesforbundet im Herbst wird ein großes Thema sein, ob Norwegen überhaupt im EWR bleiben möchte. In den Gewerkschaften gibt es kontroverse Flügel dazu. Die BefürworterInnen eines EWR-Austritts erhoffen sich, dadurch die Probleme mit der Leiharbeit aus dem Baltikum zu lösen. Die Einreisebedingungen wären dann schwieriger.

Hat dich an Norwegen etwas beeindruckt?

Beeindruckt haben mich die flachen Strukturen in Unternehmen. Der Betriebsrat eines Stahlwerks hat zu mir gesagt: „Wir brauchen hier nicht viele Manager, denn wir haben viele g‘scheite Facharbeiter!“ Außerdem hat mich beeindruckt, dass die Einkommen in den Branchen nicht so weit auseinanderliegen. Eine Friseurin verdient in etwa nur halb so viel wie jemand, der auf einer Bohrinsel arbeitet. Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen sind auch deshalb geringer, weil es nur die Entlohnung nach Kollektivvertrag gibt. Überzahlungen, wie bei uns, sind dort nicht üblich.

Und überrascht?

Das Land ist 1.800 km lang. Etwa so wie Wien bis Sizilien. Im Süden Norwegens ist die Mentalität daher ganz anders als im Norden. Und das Wetter hat mich überrascht: Drei Sonnenbrände in vier Wochen.


Norwegen in Zahlen

•    5,3 Millionen EinwohnerInnen
•    Vier Gewerkschaftsbünde
•    Mehr als 50 Prozent aller ArbeitnehmerInnen sind Gewerkschaftsmitglied
•    Seit 2019 Mitte-Rechts-Regierung
•    EU-Beitritt 1994 abgelehnt, Mitglied des EWR

 

Zur Person

Sascha Ernszt arbeitet seit Juli 2019 im Branchen- und Kollektivvertragsbereich der PRO-GE. Der gelernte Elektriker (Siemens) war fünf Jahre lang Jugendvorsitzender der PRO-GE und im ÖGB. 2018 bis 2019 hat Sascha die Sozialakademie von ÖGB und AK absolviert.

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