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Der 1. Mai in Österreich

Eine Kurzgeschichte

1889

Die Zweite Sozialistische Internationale beschließt in Paris, den Ersten Mai als Weltfeiertag der Arbeit einzuführen. An diesem Tage soll die Verbrüderung der Arbeiter aller Länder im Geiste der Solidarität dokumentiert werden. Im Mittelpunkt stand der Kampf um den Achtstundentag.

1890

Erstmals feiern in Wien und in den anderen Industriestädten der österreich-ungarischen Monarchie die Arbeiter das Fest der Arbeit. In einer Zeit, in der die durchschnittliche Arbeitszeit über 12 Stunden dauerte, zündete die Parole 8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Schlaf und 8 Stunden Erholung! Die Regierung bietet Militär auf. Die Arbeiter aber lassen sich nicht provozieren. 100.000 Menschen demonstrieren.

1894

Noch immer herrscht in Österreich das Wahlrecht der Besitzenden, die Arbeiter dürfen nach dem Kurienwahlrecht nicht wählen. In den Mittelpunkt der Maiparolen tritt der Kampf um das Allgemeine Wahlrecht. Die Maidemonstrationen verlaufen nicht mehr so unblutig wie 1890. Der kaiserliche Staat und seine führenden Schichten werden nervös.

1897

Der Kampf um das Allgemeine Wahlrecht hat die ersten Erfolge gebracht. Es gibt eine 5. Wahlkurie, für die auch die Arbeiter das Wahlrecht haben. Die Maiparolen künden: Der Kampf um das Allgemeine Wahlrecht geht weiter!

1907

Stolz blickt die freie Gewerkschaftsbewegung am 1. Mai 1907 auf eine abgeschlossene Periode zurück: Der Kampf um das Allgemeine Wahlrecht ist beendet.

1910

Der Ruf nach dem Frieden übertönt die Forderungen des 1. Mai 1910, denn der Schatten eines großen Krieges liegt über der Welt. Die Gewerkschaftsbewegung kämpft um die Sicherung des erreichten Zehnstundentages.

1915

Die traditionelle Maidemonstration kann nicht abgehalten werden, der Erste Weltkrieg und das Kriegsregime verhindern sie.

1919

In der demokratischen Republik wird der 1. Mai Staatsfeiertag! Als Mitglied einer Koalitionsregierung aus Sozialdemokraten und Christlichsozialen schaffte der Gewerkschafter Ferdinand Hanusch die Grundlagen einer sozialpolitischen Erneuerung. Der Achtstundentag, die erste Forderung der Maidemonstration, ist verwirklicht.

1924

Die Maidemonstrationen stehen im Zeichen des Kampfes gegen den Faschismus. In Italien hat Mussolini 1922 gesiegt, und Hitler hat 1923 in Deutschland seinen Putsch unternommen.

1930

Die Maiparolen des Jahres 1930 lassen den Beginn der Weltwirtschaftskrise erkennen.

1933

Seit Jänner 1933 ist Hitler Herr von Deutschland. In Österreich regiert Bundeskanzler Dollfuß mit Unterstützung Mussolinis und der austrofaschistischen Heimwehren bereits autoritär. Der Republikanische Schutzbund der Sozialdemokraten ist aufgelöst, während die Heimwehr bis zu den Zähnen bewaffnet ist und Hilfspolizei wurde. Die Maidemonstration ist verboten, doch trotz Maschinengewehren und Spanischen Reitern wird in Wien ein "Massenspazierung" organisiert.

1934

Der Austrofaschismus und seine Verbündeten haben gesiegt. Österreich ist ein "Ständestaat", es gibt nur mehr staatliche Maifeiern.

1938

Auch die Staatsgewerkschaft des Ständestaates wird verboten. Die Arbeiter und Angestellten wurden der Deutschen Arbeitsfront der Nationalsozialisten eingegliedert, einer Einheitsorganisation von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Der 1. Mai ist Tag der Deutschen Arbeit.

1945

Der Faschismus ist besiegt, der schreckliche Zweite Weltkrieg beendet! Österreich ist befreit, aber auch besetzt, und feiert wieder seinen 1. Mai als Staatsfeiertag! Die Gewerkschaftsbewegung, organisiert im überparteilichen Österreichischen Gewerkschaftsbund, ist entscheidend am Wiederaufbau des demokratischen Österreich beteiligt.

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