Zukunftsgespräche am See der PRO-GE Kärnten
Gewerkschaft erwartet Veränderungen des Arbeitsmarktes durch Künstliche Intelligenz - Wesentlicher Erfolgsfaktor bleibt aber der Mensch
Unter dem Titel „Zukünftige Herausforderungen in der Arbeitswelt“ lud die Produktionsgewerkschaft PRO-GE Kärnten gemeinsam mit dem Institut für Gesellschaftspolitik (IGES) zu den ersten Zukunftsgesprächen am Wörthersee. Rund 100 EntscheidungsträgerInnen und BetriebsrätInnen aus Kärnten und Wien folgten der Einladung. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Auswirkungen Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz (KI) auf die Beschäftigung in Kärnten haben und wie sich die Arbeitswelt dadurch verändern wird.
Diskutiert haben unter anderem PRO-GE Landesvorsitzender und AK-Kärnten-Präsident Günther Goach, PRO-GE Bundesvorsitzender Reinhold Binder, Robotics-Direktor Anton Scheibelmasser, ehem. Vorstandsvorsitzender „Industrie 4.0 Österreich“, Dr. Kurt Hofstädter sowie Dr. Hilda Tellioglu von der Technischen Universität Wien.
BetriebsrätInnen und Belegschaften stehen jedenfalls mitten in diesem Veränderungsprozess. „Daher wird sich die PRO-GE Kärnten auch in den nächsten Jahren sich mit diesen Themen auseinandersetzen. Mitbestimmung, zukünftige Anforderungen an die Facharbeit, sowie Kontrolle in KI-Systemen sind wichtige Aspekte in unserer gewerkschaftlichen Organisation“, so der Organisator der Zukunftsgespräche, PRO-GE Landesgeschäftsführer Gernot Kleißner.
AK-Präsident und PRO-GE Landesvorsitzender Günther Goach betonte: „Die Digitalisierung eröffnet Chancen für mehr Effizienz und neue Berufsfelder, birgt aber auch Unsicherheit. Wir setzen uns für klare Regeln und gezielte Weiterbildungen ein, damit niemand abgehängt wird. Über die AKademie bieten wir unseren Mitgliedern kostenfreie Weiterbildungswege, praxisnah mit Zertifikaten und direkter Umsetzung im Arbeitsalltag.“
Arbeitnehmer:innen in den Mittelpunkt
Auch PRO-GE Bundesvorsitzender Reinhold Binder stellte klar: „Die Künstliche Intelligenz wird die Arbeitswelt verändern. Trotz allem bleibt der wesentliche Erfolgsfaktor der Mensch. Bei der Transformation müssen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer daher in den Mittelpunkt gestellt werden. Das bedeutet, einen sorgfältigen Einsatz von KI in den Betrieben hinsichtlich des Datenschutzes und eine moderne Fachkräfteausbildung, die die neuen Technologien berücksichtigt.“
Die wissenschaftliche Perspektive brachte Dr. Hilda Tellioglu von der TU Wien ein: „Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt tiefgreifend, besonders in der produzierenden Wirtschaft. Zukünftig wird es nicht nur um Automatisierung gehen, sondern um das Zusammenspiel von menschlicher Expertise und maschineller Entscheidungslogik. Nicht nur akademisch, sondern auch praktisch relevant bleibt die Frage, wie sich dadurch Macht, Verantwortung und Wertschöpfung verschieben.“
Neue Technologien mit sozialer Verantwortung anwenden
Anton Scheibelmasser, Direktor des ROBOTICS-Instituts bei Joanneum Research, hob hervor: „Die Arbeitswelt der Zukunft steht vor tiefgreifenden Veränderungen durch den Einsatz von Digitalisierung, Automatisierung, Künstlicher Intelligenz und Robotik. Wesentlich wird es sein, diese Technologien mit sozialer Verantwortung in den Arbeitsprozess zu integrieren, um eine nachhaltige, innovative und konkurrenzfähige Produktion zu gewährleisten.“
Auch seitens der Industrie wurde der Handlungsbedarf betont. Dr. Kurt Hofstädter, ehem. Vorstandsvorsitzender „Industrie 4.0 Österreich“ erklärte: „Die digitalen Kompetenzen, die für die Zukunft der Industrie entscheidend sind, sind in Österreich in zahlreichen Industriebetrieben – etwa bei Infineon, Siemens oder Kostwein – bereits fest verankert und bilden eine treibende Kraft für Wachstum und Innovation. Damit Österreich im globalen Wettbewerb bestehen kann, brauchen wir wettbewerbsfähige industriepolitische Rahmenbedingungen – und ebenso die gezielte Ausbildung junger Menschen, die diese Zukunft aktiv gestalten.“
Fazit: Die ersten Zukunftsgespräche am Wörthersee machten deutlich, dass Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt nachhaltig verändern werden. Einigkeit herrschte darüber, dass die Chancen dieser Technologien genutzt werden müssen – jedoch immer mit dem Fokus auf die Beschäftigten. Weiterbildung, klare Regeln und eine sozial verantwortliche Gestaltung des technologischen Wandels sind dabei die zentralen Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Arbeitswelt in Kärnten und ganz Österreich.