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Jungen Menschen Perspektive geben

Bereits zum sechsten Mal haben ÖGB, Arbeiterkammer und die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) den Lehrlingsmonitor präsentiert. Die Umfrage unter rund 6.000 Lehrlingen im letzten Lehrjahr, durchgeführt vom Österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung beleuchtet die Zufriedenheit mit der Ausbildungssituation.

Norbert Lachmayr (Institut für Berufsbildungsforschung), Renate Anderl (AK), Laura Zandonella (ÖGJ/PRO-GE) und Wolfgang Katzian (ÖGB) präsentierten den 6. Lehrlingsmonitor PRO-GE

Der Lehrlingsmonitor zeigt Licht und Schatten: Noch nie war die Zahl der Lehrlinge so hoch, die angaben, gute Rahmenbedingungen bei ihrer Lehrstelle vorzufinden. Aber auch der Wert jener, die von schlechten Rahmenbedingungen sprechen, ist höher als in den letzten Jahren. Laura Zandonella, stv. Bundesvorsitzende der ÖGJ und Bundesvorsitzende der PRO-GE Jugend, hielt im Rahmen der Präsentation fest: „Es gibt viele Betriebe, wo Lehrlinge eine hochwertige Ausbildung bekommen. Jedoch muss es null Toleranz für schwarze Schafe geben. Denn die Ergebnisse zeigen ganz klar: Dort, wo es schiefläuft, zahlen junge Menschen den Preis – mit Stress, Frust und unfairen Arbeitszeiten.“

Mängel bei der Qualität

Zandonella hob die wichtigsten Ergebnisse der Befragung hervor. Rund 20 Prozent der Lehrlinge müssen häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. Im Lehrlingsmonitor werden Beispiele aufgezählt, die Auszubildende genannt haben. Dies reicht vom Schuhe-Putzen für den Chef über das Wurstsemmel-Holen bis hin zum Unkraut-Zupfen.

Weitere 24 Prozent der Lehrlinge müssen regelmäßig Überstunden leisten, und dies, obwohl Überstunden für unter 18-Jährige verboten sind. Zu schaffen macht vielen jungen Menschen auch das Betriebsklima. 37 Prozent der Befragten gaben an, sie seien schon einmal belästigt, beleidigt, bedroht oder bloßgestellt worden. Junge Frauen sind davon noch mehr betroffen als junge Männer.

Wird Lehrlingen das Gefühl vermittelt, nur eine billige Arbeitskraft zu sein, dann hat dies Konsequenzen. Rund 27 Prozent möchten nicht im erlernten Beruf bleiben.

Ausbildungsfonds für mehr Gerechtigkeit

Doch nicht nur bei der Qualität der Ausbildung gibt es Mängel, sondern auch die Anzahl der angebotenen Lehrstellen ist seit Jahren stark rückläufig. 2025 wurde ein historischer Tiefstand bei der Lehrausbildung erreicht. Unternehmen nahmen nicht einmal 28.000 Jugendliche im ersten Lehrjahr auf; das sind um 10.000 weniger als vor 20 Jahren. Die Konsequenz: Rund 24.500 Jugendliche sind derzeit auf der Suche nach einer Lehrstelle.

Für Zandonella ist dies völlig unverständlich, denn jeder kleine Verein wisse, dass man in die Jugend investieren und sie gut behandeln müsse, wenn man Nachwuchs will. In der Wirtschaft zeigt sich genau das Gegenteil – es gibt immer weniger Lehrstellen. Daher sprach sich auch die PRO-GE Bundesjugendvorsitzende für einen Ausbildungsfonds aus, der von jenen Betrieben gespeist wird, die keine Lehrstellen anbieten, obwohl sie könnten. Profitieren würden jene Unternehmen, die in die duale Bildung investieren.

Die Gewerkschaftsjugend hat vier zentrale Forderungen formuliert, um für eine bessere Ausbildungsqualität zu sorgen:

  • Es braucht einen Ausbildungsfonds: Betriebe, die keine Lehrlinge ausbilden, zahlen ein – Betriebe, die hochwertig ausbilden, sollen daraus Förderungen erhalten.
  • Verpflichtende Weiterbildung für Ausbildner:innen: Gute Ausbildung fällt nicht vom Himmel – sie braucht Kompetenz und sollte stetig weiterentwickelt werden.
  • Mehr psychosoziale Anlaufstellen in den Betrieben und Berufsschulen.
  • Strengere Kontrollen und Konsequenzen bei Verstößen gegen Arbeitszeitregeln – damit „Überstunden“ nicht zum Normalzustand werden.