Zukunftsgespräche am See“ der PRO-GE Kärnten: „Bildung der Zukunft – Wer macht den ersten Schritt?“
Binder: „Bildung und Berufsausbildung sind Grundlage für individuelle Chancen und Voraussetzungen für wirtschaftlichen Erfolg“
In einer Zeit, die von rasanten technologischen Entwicklungen, tiefgreifenden Veränderungen in der Arbeitswelt und ständigem Wandel geprägt ist, gewinnen Bildung und Berufsausbildung zunehmend an Bedeutung. Unter dem Motto „Bildung der Zukunft – Wer macht den ersten Schritt?“ widmeten sich die diesjährigen „Zukunftsgespräche am See“ der Produktionsgewerkschaft PRO-GE Kärnten am 3. September den zentralen Fragen rund um Bildung, Qualifizierung und die Arbeitswelt von morgen.
V.l.n.r.: Stefan Dietl (Ausbildungsleiter Festo), Günther Goach (AK-Präsident und PRO-GE-Landesvorsitzender), Moderatorin Kerstin Repolusk, Reinhold Binder (PRO-GE Bundesvorsitzender), LH Daniel Fellner, Prof. Dr. Ada Pellert (Rektorin Uni Klagenfurt), Mag. Peter Reichmann (Landesrat), Mag. Martin Reiner (GF Flex Althofen) und Gernot Kleißner (PRO-GE LGF).
Mehr als 100 Teilnehmer:innen
Über 100 TeilnehmerInnen wurden im gewerkschaftlichen Bildungszentrum der PRO-GE in Krumpendorf von AK-Präsident und PRO-GE-Landesvorsitzendem Günther Goach sowie PRO-GE-Landesgeschäftsführer Gernot Kleißner begrüßt. Stefan Dietl, Ausbildungsleiter national/international bei Festo, lieferte das Impulsreferat für die hochkarätig besetzte Diskussionsrunde mit Reinhold Binder (Bundesvorsitzender der PRO-GE), Prof. Dr. Ada Pellert (Rektorin der Universität Klagenfurt), Mag. Martin Reiner (Geschäftsführer Flex Althofen) und Landesrat Mag. Peter Reichmann. Die Begrüßungsansprache hielt Landeshauptmann Daniel Fellner.
Neue Anforderungen durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz
Stefan Dietl machte in seinem Impulsreferat deutlich, dass sich die Anforderungen an Ausbildung und Lernen grundlegend verändern. Die entscheidende Frage der Zukunft sei nicht mehr, welches Wissen ein Auszubildender für eine Prüfung benötige, sondern welche Fähigkeiten Menschen brauchen, um sich in einer dynamischen Arbeitswelt erfolgreich einzubringen: „Künstliche Intelligenz verändert dabei nicht nur das Lernkonzept, sondern erfordert neue Kompetenzmodelle“, so der Festo-Ausbildungsleiter.
Damit rückte bereits zu Beginn der Veranstaltung eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: Wie muss Bildung gestaltet sein, damit Menschen nicht nur auf bestehende Anforderungen vorbereitet werden, sondern auch in der Lage sind, Veränderungen aktiv mitzugestalten?
Investitionen in Bildung sind Investitionen in die Zukunft
Reinhold Binder betonte in der anschließenden Gesprächsrunde die Bedeutung langfristiger Investitionen in Schulen, Ausbildungsbetriebe und Weiterbildungseinrichtungen. Angesichts des zunehmenden Fachkräftebedarfs seien gut ausgebildete Fachkräfte das Rückgrat einer erfolgreichen Wirtschaft. Sie seien entscheidend für Innovation und Fortschritt – in Handwerk und Industrie ebenso wie im Gesundheitswesen, in der Forschung und in zahlreichen weiteren Bereichen.
Gleichzeitig sei Bildung ein wesentlicher Schlüssel für gesellschaftliche Teilhabe und sozialen Aufstieg. Binder unterstrich daher: „Wer heute in Bildung investiert, investiert in die Zukunft. Bildung und Berufsausbildung sind die Grundlagen für berufliche Chancen und Voraussetzungen für den Wohlstand und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes.“
Binder rief in Erinnerung, dass sich die Sozialpartner der Metallindustrie, der Elektro- und Elektronikindustrie und des Metallgewerbes aus diesem Grund auch im Zuge der Kollektivvertragsverhandlungen auf eine Qualifizierungsoffensive geeinigt haben, die jene an- und ungelernte ArbeitnehmerInnen adressieren soll, die bereits in den Betrieben beschäftigt sind. Diese Qualifizierungsoffensive hat Eingang in das Regierungsprogramm 2024-2029 gefunden, ist Element der Industriestrategie der österreichischen Bundesregierung und wird in der gerade entstehenden Fachkräftestrategie ihren Niederschlag finden.
Gute Qualifizierung als Antwort auf die Transformation
Auch AK-Präsident und PRO-GE-Landesvorsitzender Günther Goach hob die zentrale Rolle von Bildung und Qualifizierung für die Bewältigung des wirtschaftlichen und technologischen Wandels hervor: „Bildung der Zukunft heißt, Menschen zu befähigen, nicht nur Schritt zu halten, sondern vorauszugehen. Dafür brauchen wir ein starkes öffentliches Bildungssystem, engagierte Betriebe und Lernende, die neugierig bleiben. Die Arbeitswelt verändert sich rasant – und wer diesen Wandel gestalten will, muss Zugang zu den besten Bildungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten haben. Als Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmervertretung wissen wir: Gute Qualifizierung ist die stärkste Antwort auf Transformation. Deshalb dürfen wir Ideen nicht aus Budgetgründen abwürgen. Wer Zukunftskonzepte aus Kostengründen stoppt, zahlt später einen viel höheren Preis – für die Beschäftigten, für die Betriebe und für die gesamte Gesellschaft.“
Goach stellte damit insbesondere die Verantwortung von Politik, Bildungseinrichtungen und Unternehmen in den Mittelpunkt. Zukunftsfähige Bildung brauche entsprechende Rahmenbedingungen und dürfe nicht kurzfristigen Sparzielen zum Opfer fallen.
Kärnten als zukunftsfähiger Bildungsstandort
Mit einer klaren Bildungsoffensive will Kärnten die Talente von morgen gezielt fördern. Landesrat Peter Reichmann meint dazu: „Bildung darf nicht nur auf die Arbeitswelt von heute vorbereiten. Sie muss jungen Menschen das Rüstzeug geben, die Welt von morgen selbst mitzugestalten. Dafür müssen sich alle bewegen - Schule, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Unser Anspruch für Kärnten ist dabei klar: Wir wollen, dass Talente hier entdeckt, gefördert und entfaltet werden. Wir warten nicht auf die Zukunft – wir gestalten sie. Denn die klügsten Köpfe Österreichs sollen künftig aus Kärnten kommen. Solange ich in politischer Verantwortung bin, ist das mein Anspruch.“
Verbindung von Bildung und Wirtschaft entscheidend
Dass zukünftige Bildung vor allem eines braucht, nämlich die enge Verzahnung von Theorie und Praxis –, unterstreicht Martin Reiner, Geschäftsführer von Flex in Althofen: „Was wir jungen Menschen mitgeben sollten, sind starke Grundlagen, echte Erfahrungen in der Praxis, Offenheit für Neues und die Fähigkeit, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Denn die erfolgreichsten Fachkräfte der Zukunft werden jene sein, die auch für Aufgaben und Berufe bereit sind, die wir heute noch gar nicht kennen“. Als gutes Beispiel für die so entscheidende Verbindung zwischen Theorie und Praxis nennt er die Lehrlingsausbildung.
„Wenn wir eine zukunftsfähige Bildung haben wollen, dann müssen wir vor allem eines schaffen: ein System, das enger zusammenarbeitet und sich viel schneller weiterentwickelt. Die technologischen Veränderungen durch Automatisierung, Robotik und Künstliche Intelligenz erfolgt heute deutlich schneller als die Anpassung vieler Bildungsangebote,“ so Reiner.
Lernen als Aufgabe für Individuen und Gesellschaft
Ada Pellert, Rektorin der Universität Klagenfurt, richtete den Blick auf die Bedeutung des Lernens über einzelne Bildungsphasen hinaus. Im Rahmen der Zukunftsgespräche betonte sie: „Nicht nur für die Zukunftsfähigkeit von Bildung, sondern auch der Gesellschaft insgesamt ist es essentiell, dass wir mehr darüber nachdenken, was es für gutes Lernen von Individuen, Organisationen und Gesellschaften braucht“.
Damit wurde der Bildungsbegriff bewusst weiter gefasst: Zukunftsfähiges Lernen betrifft nicht nur Schulen, Universitäten oder Lehrbetriebe, sondern ist eine gemeinsame Aufgabe von Menschen, Organisationen und der Gesellschaft insgesamt.
Fazit: Gemeinsam Verantwortung für die Bildung der Zukunft übernehmen
Die zweiten „Zukunftsgespräche am See“ der PRO-GE Kärnten machten deutlich, dass die Frage nach der Bildung der Zukunft weit über die Vermittlung von Fachwissen hinausgeht. Die Redebeiträge und die anschließende Diskussion zeigten unterschiedliche Perspektiven aus Gewerkschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik – und zugleich eine gemeinsame Erkenntnis: Wer die Arbeits- und Lebenswelt von morgen gestalten will, muss heute in Bildung, Ausbildung und Weiterbildung investieren.
Die Veranstaltung bot damit nicht nur Raum für eine fundierte Auseinandersetzung mit den Herausforderungen von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Fachkräftemangel, sondern setzte auch einen wichtigen Impuls für die Frage, wer den ersten Schritt machen muss. Die Antwort wurde im Laufe des Nachmittags deutlich: Bildung ist eine gemeinsame Zukunftsaufgabe – und Verantwortung dafür tragen wir alle.