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Mit Qualität zu kürzeren Arbeitszeiten

Im niederösterreichischen Piestingtal werden Kupferleiter für Transformatoren und Generatoren für die Energietechnik produziert. 230 Arbeiter:innen, 75 Angestellte und 9 Lehrlinge beschäftigt die Firma Asta Elektrodraht in Oed. Die meisten Beschäftigten kommen aus einem Umkreis von 25 Kilometer zur Arbeit. Hauptprodukt des Asta-Werks sind Flachdrähte aus Kupfer in verschiedenen Stärken, die zumeist in Transformatoren zur Anwendung kommen. Zu den einzelnen Produktionsschritten gehört auch das Auftragen von Lack auf den Draht. Eine schmutzige und nicht ungefährliche Arbeit. Zudem läuft die Maschine rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Nur zweimal im Jahr steht sie für Reinigung und Überholung still.  

Attraktivere Arbeitszeiten 

Die rund 70 Arbeiter der Lackabteilung arbeiteten in der Vergangenheit in einem Schichtmodell, dass jeweils zwei Tage in der Früh-, in der Spät- und in der Nachtschicht vorsah. Dann waren drei Tage frei. Fehlstunden mussten eingearbeitet werden. Alles in allem keine sehr attraktiven Arbeitszeiten, vor allem nicht auf Dauer. Hinzu kommt nun der Arbeitskräftemangel, der den Personalwettbewerb unter den Firmen anfeuert. Da musste was geschehen, das war auch dem Personalchef klar, der die Grundidee für das neue Schichtmodell lieferte. Die Firma entwickelte zusammen mit Betriebsrat Armin Troger und der PRO-GE Arbeitstechnik ein neues Modell mit deutlich kürzeren Arbeitszeiten, das mit August 2022 umgesetzt wurde. Das Schichtmodell sieht nun vier statt drei Tage Freizeit vor.  

Armin Troger, Betriebsrat bei ASTA

Arbeitsqualität wird berücksichtigt 

Bei einer Normalarbeitszeit von 38,5 Stunden pro Woche würden so aber in einem Jahr 32 Fehltage anfallen. Um diese auszugleichen, wurde gleich an mehreren Hebeln gedreht. Es wurde etwa eine bezahlte Schichtübergabe von 15 Minuten eingeführt. So beginnt zum Beispiel die Frühschicht statt um 6 Uhr nun um 5:45 Uhr. Allein dadurch werden acht Fehltage ausgeglichen. "Auf die Einarbeitung von weiteren zwölf Tagen verzichtet die Firmenleitung zur Gänze und die restlichen zwölf Fehltage lassen sich durch Qualität einarbeiten", betont Betriebsratsvorsitzender Armin Troger im Gespräch mit der Glück auf! und erklärt: "Jedes Quartal setzt sich ein Gremium zusammen und beurteilt die Arbeit jedes einzelnen Mitarbeiters anhand von bestimmten Kriterien wie zum Beispiel Ausschuss oder Produktivität. Passt alles, werden pro Quartal drei Tage gutgeschrieben." Sollte die Qualität einmal nicht ganz passen, dann habe jeder verschiedene Wahlmöglichkeiten zur Einarbeitung: entweder durch Überstundenarbeit, Verwendung von Urlaubstagen oder aber auch durch Verzicht von Geld.

Auf die Einarbeitung von weiteren zwölf Tagen verzichtet die Firmenleitung zur Gänze und die restlichen zwölf Fehltage lassen sich durch Qualität einarbeiten.

Betriebsrat Armin Troger

"Die größten Benefits für die Kollegen sind, dass die wöchentliche Normalarbeitszeit auf unter 35 Stunden sinkt und vier zusammenhängende Freizeittage rausschauen. Das gibt es nicht oft, schon gar nicht in der Schichtarbeit. Das macht dieses Modell so attraktiv", freut sich Troger über die geglückte Umstellung.