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1. Mai Kundgebung 2006
ÖGB-Archiv

Der Tag der Arbeit

Hintergründe und Geschichte zum Feiertag der ArbeiterInnen: Ein historischer Streifzug

Der 1. Mai hat eine lange Geschichte. Seine Wurzeln liegen in der Zeit der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts als die Arbeiterschaft sich zu organisieren begann. Das vorrangige Ziel der Arbeiterbewegung der damaligen Zeit war die Verkürzung der Arbeitszeit von bis zu 16 Stunden täglich.

8-Stunden-Tag

Zeichnung eines 1. Mai Umzugs mit der Forderung nach dem allgemeinem Wahlrecht und dem 8-Stunden-Tag
Arbeiterblatt "Die Glühlichter" 1. Mai 1892 ÖGB-Archiv

"8 Stunden Arbeit - 8 Stunden Muße - 8 Stunden Schlaf", das war eine zentrale Forderung der Arbeiterorganisationen weltweit. In Chicago wurde dafür bereits am 1. Mai 1867 demonstriert. Am 20. Juli 1889 beschlossen die Delegierten der 2. Sozialistischen Internationale in Paris im darauffolgenden Jahr weltweit Veranstaltungen durchzuführen, in deren Mittelpunkt die Forderung nach einem 8-Stunden-Arbeitstag stehen sollte. Das Datum wurde dabei allerdings nicht festgelegt. Denn dieses ergab sich aus dem Kongress der "American Federation of Labour" in St. Louis 1888, bei dem der 1. Mai 1890 als der Tag festgelegt wurde, an dem die amerikanischen Arbeiter keinen längeren Arbeitstag mit mehr als acht Stunden akzeptieren würden.

Zeichnung, Arbeiter mit gesprengten Ketten, mit einer großen 8 und Aufschrift "8-Stunden-Tag"
Arbeiterblatt "Neue Glühlichter" vom 1. Mai 1904 ÖGB-Archiv

Feiertag der ArbeiterInnen

Am 1. Mai 1890 wurden dann auch tatsächlich in zahlreichen Ländern Veranstaltungen durchgeführt, in denen eine Arbeitszeitverkürzung gefordert wurde. Die Formen der Veranstaltungen waren so verschieden wie die Teilnehmerzahlen und stark von den politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten in den einzelnen Ländern abhängig. Im agrarisch geprägten Finnland fanden sich gerade einmal ein paar hundert Arbeiter in Helsinki ein, während englische, französische und deutsche Städte Demonstrationen mit bis zu 100.000 Menschen erlebten. Auch in Österreich fanden an diesem Tag Demonstrationen mit beeindruckender Teilnehmerzahl statt. Im darauffolgenden Jahr beschlossen die Arbeiterorganisationen vieler Länder, den 1. Mai zum dauernden Feiertag der ArbeiterInnen zu machen.

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Mai-Spaziergänge

Seine große symbolische Bedeutung erhielt der 1. Mai vor allem auch durch die oft sehr heftigen Gegenreaktionen. Viele Unternehmer drohten ihren Arbeitern mit Kündigung, sollten sie an den Veranstaltungen teilnehmen. In fast allen Ländern reagierten die Regierungen mit großen Polizei- und Militäraufgeboten - oft auch mit Einschränkungen der Demonstrationswege oder überhaupt einem generellen Verbot. Doch es fanden sich auch Wege, Verbote zu umgehen: Im Jahr 1933 wurden in Wien lediglich sogenannte "Mai-Spaziergänge" unternommen anstatt der vom Dollfuß-Regime verbotenen Demonstration. Ein Mittel, dass auch davor schon in verschiedenen Ländern eingesetzt wurde. Wesentlich gefährlicher wurden dem 1. Mai Vereinnahmungsversuche, wie sie zum Beispiel vom österreichischen Ständestaat oder dem nationalsozialistischen Regime unternommen wurden.

Personen am Rathausplatz 1. Mai 1946
1. Mai Kundgebung Rathausplatz 1946 Zvacek, ÖGB-Archiv

Tag der Arbeit

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde auch in Österreich die Tradition des 1. Mai wieder aufgenommen. Am 1. Mai 1945 konnte zwar noch nicht auf der Ringstraße marschiert werden, aber in den Bezirken fanden die Mai-Feiern wieder statt. Seither wurde der 1. Mai in Österreich als "Tag der Arbeit" ohne Unterbrechungen jedes Jahr gefeiert: als Fest für die Menschen, aber auch als Tag für politische Forderungen und einen demokratischen Diskurs.

Menschenmenge am Tag der Arbeit 1950 vor dem Rathaus in Wien
1. Mai Kundgebung 1950 Kammler, ÖGB-Archiv