Ardo-Schließung: Protestkundgebung am 9. November
240 Arbeitsplätze stehen bei Ardo in Groß-Enzersdorf vor dem Aus. Während die Beschäftigten um einen fairen Sozialplan kämpfen, fordert die PRO-GE den Konzern auf, endlich Verantwortung zu übernehmen.
Während die 240 Beschäftigten bei Ardo in Groß-Enzersdorf um einen fairen Sozialplan ringen, steht auch die Verarbeitung von Marchfelder Gemüse in Österreich steht auf dem Spiel. Am Montag, 9. November, findet deshalb eine große Protestkundgebung vor dem Werk statt.
Keine Einigung bei Sozialplan
Seit Ende September steht fest, dass Ardo sein Werk in Groß-Enzersdorf schließen will. Rund 240 Beschäftigte sollen dadurch ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Verhandlungen über einen Sozialplan laufen, eine Einigung gibt es bisher jedoch nicht. Die Stimmung in der Belegschaft sei dementsprechend schlecht, schilderte Betriebsratsvorsitzender der Arbeiter:innen, Dietmar Breiner, im Interview mit PULS 24 am 2. November. Die Beschäftigten hätten jahrelang Überstunden geleistet und auch an Wochenenden gearbeitet. Nun werde der Standort geschlossen, ohne dass bisher aus Sicht des Betriebsrats ein angemessener Sozialplan auf dem Tisch liegt.
Sozialplan muss soziale Härten abfedern
„Die Leute sind verunsichert“, beschreibt Breiner die Situation. Viele Mitarbeiter:innen hätten finanzielle Verpflichtungen, Wohnungen oder Häuser und Familien. Ein Sozialplan müsse deshalb die sozialen Härten der Schließung tatsächlich abfedern. Besonders bitter: Bei den Beschäftigten handle es sich vielfach um erfahrene Spezialist:innen, die über Jahre mit den Produktionsanlagen gearbeitet und wertvolles Know-how aufgebaut haben.
Ein Sozialplan muss die sozialen Härten tatsächlich abfedern.
Binder: „Der Konzern muss Verantwortung übernehmen“
Auch PRO-GE-Bundesvorsitzender Reinhold Binder übt scharfe Kritik am Vorgehen von Ardo. Für ihn steht fest: Die Beschäftigten dürfen nicht die Rechnung für Entscheidungen des Konzerns bezahlen. „Der Konzern kann sich nicht einfach von Österreich schleichen, sondern er muss Verantwortung übernehmen“, stellte Binder bei PULS 24 klar.
Arbeitsstiftung gefordert
Bei den Sozialplanverhandlungen gehe es um Respekt gegenüber Menschen, die unter schwierigen Bedingungen gearbeitet haben. Binder verwies unter anderem auf Hitze, Nässe und Kälte in der Produktion. Gleichzeitig gehe es um Beschäftigte mit vergleichsweise niedrigen Einkommen. Die PRO-GE bringt deshalb auch eine Arbeitsstiftung in die Verhandlungen ein. Damit könnten Qualifizierung und berufliche Neuorientierung unterstützt werden. Für Binder ist dennoch klar: Entscheidend bleibt eine echte Perspektive für die Beschäftigten.
Kritik an fehlenden Investitionen
Binder kritisiert zudem die Entwicklung des Standorts in den vergangenen Jahren. Aus Sicht der PRO-GE sei zu wenig investiert worden, um das Werk zukunftsfit zu machen. Statt frühzeitig in Modernisierung und niedrigere Energiekosten zu investieren, seien erwirtschaftete Überschüsse nicht ausreichend für den Standort verwendet worden.
Werk ist Teil der regionalen Wertschöpfung
Besonders schwer wiegt für die Gewerkschaft, dass mögliche Perspektiven für die Produktion aus ihrer Sicht erschwert werden. Binder sprach im Interview davon, dass Ardo Lösungen torpediere. Dabei steht wesentlich mehr auf dem Spiel als 240 Arbeitsplätze. Das Werk ist Teil einer regionalen Wertschöpfungskette: Gemüse aus dem Marchfeld wird in Österreich verarbeitet und für den heimischen Markt aufbereitet. Von der Schließung sind damit nicht nur Arbeitnehmer:innen betroffen, sondern auch landwirtschaftliche Betriebe. „Es geht auch darum, dass Gemüse aus Österreich auch zukünftig in Österreich für die heimischen Konsument:innen verarbeitet wird“, betonte Binder.
Protestkundgebung am 9. November
Die PRO-GE setzt deshalb auf einen breiten Schulterschluss zwischen Arbeitnehmer:innen, Landwirtschaft und Bevölkerung. Mehr als 100.000 Menschen hätten laut Binder bereits eine Petition unterstützt. Der nächste Schritt ist eine Protestkundgebung am 9. November vor dem Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf. Für Reinhold Binder geht es dabei nicht nur um Solidarität mit den 190 Beschäftigten, sondern um eine grundsätzliche Frage: Gibt es auch künftig eine Perspektive für die Verarbeitung von österreichischem Gemüse in Österreich? Die Botschaft an den Ardo-Konzern ist jedenfalls eindeutig: Wer einen Standort schließt und 240 Menschen ihre berufliche Zukunft nimmt, darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Die Beschäftigten verdienen einen fairen Sozialplan. Und die Region braucht eine tragfähige Lösung für die heimische Gemüseverarbeitung.
Redaktion, Puls24