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Fachkräftemangel: Ausbilden und gute Arbeitsbedingungen bieten

AK und ÖGB fordern höheres Arbeitslosengeld

Ende Februar waren 376.861 Menschen ohne Job und davon 74.164 in Schulungen des Arbeitsmarktservice (AMS). Anlässlich dieser  Arbeitsmarktdaten fordert die Industriellenvereinigung (IV) wieder einmal, mehr Zwang und Druck auf Arbeitssuchende auszüben. "Vonseiten der Industriellenvereinigung wird wieder das alte Lied gesungen: Arbeitslose sind faul und müssen mit der Peitsche auf den Arbeitsmarkt zurückgezwungen werden. Dass auch die Unternehmen ihren Teil zum Fachkräftemangel beitragen, wird unter den Teppich gekehrt", betont der Bundesvorsitzende der PRO-GE, Rainer Wimmer.

Wimmer verweist etwa auf die hohe Zahl an Langzeitarbeitslosen (105.649 Betroffene), hier gebe es kaum Bemühungen der Wirtschaft, diesen Menschen wieder eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben. "Vor allem ältere arbeitslose Menschen haben es schwer, eine Stelle zu finden, weil sie von den Unternehmen einfach nicht gewollt werden. Diese Menschen mit einem degressiven Arbeitslosengeld unter Druck zu setzen, ist unsozial und erhöht die Armutsgefährdung", sagt Wimmer.

Gute Arbeitsbedingungen statt Zwang

Ebenso sei jeder Zwang - wie von der Industrie gefordert -  hinsichtlich einer erhöhten Mobilität abzulehnen. "Auch ein arbeitsloser Mensch hat ein Recht auf Privatleben und darf nicht verpflichtet werden, seinen Lebensmittelpunkt zu verlegen. Wenn die Wirtschaft eine höhere Mobilität will, dann soll sie attraktive Angebote machen. Mit entsprechender Bezahlung, gutem Arbeitsumfeld, familienfreundlichen Arbeitszeiten und Wohnmöglichkeiten werden sich auch Arbeitskräfte finden lassen", ist Wimmer überzeugt.

Fachkräfte ausbilden

Auch wurde über Jahrzehnte verabsäumt, die benötigten Fachkräfte auszubilden. Das Angebot an Lehrstellen sank kontinuierlich, erst in den letzten Jahren hat man erkannt, dass die Lehrausbildung wieder einen höheren Stellenwert bekommen muss. "Die Unternehmen haben sich darauf verlassen, die Lücken mit Arbeitskräften aus dem Ausland schließen zu können. Jetzt, wo diese Arbeitskräfte fehlen, setzt der Katzenjammer ein", betont der PRO-GE-Vorsitzende. Einig sei man sich mit der Industriellenvereinigung lediglich bei der Forderung nach dem Ausbau von qualitätsvoller Kinderbetreuung.

"Es gibt viele Maßnahmen, die gesetzt werden können, um den Fachkräftemangel zu beseitigen. Hier ist der Staat ebenso gefragt wie die Wirtschaft. Was wir aber strikt ablehnen, ist, den Druck auf Arbeitslose zu erhöhen, denn damit wird nicht nur den Arbeitssuchenden das Leben erschwert, sondern es wird auch Lohndumping Vorschub geleistet. Und das werden wir als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter nicht zulassen", so Wimmer.

AK und ÖGB fordern höheres Arbeitslosengeld

Wie die Arbeitsmarktdaten also zeigen, gibt es nach wie vor ein großes Problem bei der Langzeitarbeitslosigkeit und bei den über 50-Jährigen. Diese Betroffenen gehören nicht gegängelt, sondern dringend mittels Joboffensiven, Qualifizierungsmaßnahmen und höherem Arbeitslosengeld unterstützt. Denn die aktuelle Lage der Energiepreise und die aktuell hohe Inflation stellen vor allem für Menschen, die auf das Arbeitslosengeld angewiesen sind, eine große Belastung dar.

Für ÖGB und Arbeiterkammer ist klar, dass diese besonders betroffene Gruppe langfristig besser abgesichert werden muss. Es braucht eine Anhebung des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent Nettoersatzrate, eine Erhöhung des Familienzuschlages und eine Inflationsanpassung beim Arbeitslosengeld.

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