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Geschäftemacherei auf dem Rücken von Lehrlingen

Für einen Industrie-Lehrplatz in Salzburg müssen junge Spanier bis zu 2.900 Euro bezahlen.
PRO-GE-Landessekretär Daniel Mühlberger
PRO-GE-Landessekretär Daniel Mühlberger
Als „Geschäftemacherei auf dem Rücken von Lehrlingen und deren Ausbildungsbetrieben“ bezeichnet der Landessekretär der PRO-GE Salzburg, Daniel Mühlberger, die Geschäftspraktiken des in Spanien ansässigen Unternehmens „Talents for Europe Missethon S.L“. Dies hat sich auf die Vermittlung von jungen Menschen aus Spanien nach Österreich spezialisiert, die hier eine Lehre absolvieren sollen. Das mit der spanischen Firma zusammenhängende österreichische Unternehmen „Rise Above - Talents for Europe GmbH“ wurde Ende Dezember gerichtlich geschlossen. 
 
Förderung statt Profit
 
 Anlassfall für die Kritik sind die Schilderungen zweier Lehrlinge aus Spanien, die an ein Salzburger Industrieunternehmen für eine Lehre in einem metalltechnischen Beruf vermittelt wurden. Laut Vertrag mussten sie 24 Monatsraten zu je 100 Euro an das spanische Unternehmen zahlen, bei der Vertragsunterzeichnung waren 500 Euro fällig. Der Ausbildungsbetrieb der Lehrlinge hat ebenso an das Unternehmen in Österreich eine Vermittlungsgebühr pro Lehrling gezahlt. „Prinzipiell ist es zu begrüßen, wenn innerhalb der Europäischen Union Jugendlichen die Chance gegeben wird, in einem anderen Land eine Ausbildung zu absolvieren. Was aber nicht passieren darf, ist, dass Privatunternehmen daraus vermutlich Profit schlagen“, sagt Mühlberger. Er appelliert an Betroffene, sich an die PRO-GE Salzburg zu wenden.
 
„Junge Menschen sollten von der Europäischen Union gefördert werden. Gerade in Ländern mit hoher Jugendarbeitsarbeitslosigkeit brauchen die Ausbildungswilligen eine Unterstützung, wenn sie sich entscheiden, in einem anderen EU-Land eine Lehre zu absolvieren. Sie für eine Lehrausbildung bezahlen zu lassen, ist ein Ausnutzen der Not junger arbeitssuchender Menschen“, stellt Mühlberger klar. 
 
Anfrage an Kommission
 
Die PRO-GE Salzburg hat sich deshalb an die EU-Abgeordnete und Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Evelyn Regner (SPÖ), gewandt, die eine Anfrage an die Europäische Kommission gestellt hat. „Wir wollen Klarheit darüber, wie die EU-Kommission derartige Projekte beurteilt und ob es auch in anderen Mitgliedstaaten ähnliche Unternehmen gibt. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob derartige Programme EU-rechtskonform sind“, so Regner. Sie verlangt von der EU-Kommission genauer hinzusehen und endlich einen Qualitäts- und Rechtsrahmen für Lehrlinge vorzulegen.
 

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