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Coronakrise legt Missstände bei Erntehilfe offen

Faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen statt Zwangsverpflichtungen
„Die Corona-Krise hat die Missstände im Bereich der ErntehelferInnen schonungslos offengelegt. Jetzt, wo die ausländischen Arbeitskräfte vielfach wegfallen und die Landwirtschaft darauf angewiesen ist, Arbeitskräfte im Inland zu finden, erkennt auch die breite Öffentlichkeit, wie die Arbeitsbedingungen für ErntehelferInnen sind: Niedrigste Löhne, befristete Beschäftigungsverhältnisse und überlange Arbeitszeiten“, betont Karl Orthaber, Fachexperte der Produktionsgewerkschaft (PRO-GE) und zuständig für den Bereich der ErntehelferInnen. Die PRO-GE, die sich in der Sezonieri-Kampagne engagiert, fordert daher endlich faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Noch immer liegt in sieben von neun Bundesländern der Bruttolohn unter 1.500 Euro.
 
Keine Einzelfälle
 
Darüber hinaus seien in den letzten Tagen und Wochen wieder Fälle aufgezeigt worden, die dokumentieren, wie ErntehelferInnen ausgebeutet und in ihren Rechten beschnitten werden. Orthaber nennt in diesem Zusammenhang die Vorgänge in Tirol rund um einen fragwürdigen Arbeitskräfteüberlasser und den Fall der eingesperrten Erntehelfer in Oberösterreich. „Hier darf die Politik nicht länger wegsehen. Die Gewerkschaft hat zusammen mit den AktivistInnen der Sezonieri-Kampagne in den vergangen Jahren immer wieder auf die oftmals unzumutbare Behandlung von ErntehelferInnen hingewiesen. Es reicht nicht, hier von Einzelfällen zu reden. Wir brauchen eine umfassende Strategie, um Verbesserungen für die ArbeitnehmerInnen zu erreichen“, sagt der Gewerkschafter.
 
Landwirtschaft gerecht gestalten
 
Der derzeitige Mangel an ErntehelferInnen dürfe keinesfalls dazu führen, dass Menschen zwangsverpflichtet werden. „Weder Arbeitslose noch AsylwerberInnen sollen zur Arbeit am Feld gezwungen werden, denn damit wird das bestehende System der schlechten Arbeitsbedingungen einzementiert. Gibt es Verbesserungen, dann werden sich auch Arbeitskräfte finden“, so Orthaber. Er betont, dass es in der Diskussion aber nicht nur darum gehen dürfe, Landwirte an den Pranger zu stellen. „Wir müssen darüber reden, wie wir ein System etablieren können, das faire Preise für landwirtschaftliche Produkte garantiert und kleinbäuerlichen Strukturen den Vorzug gegenüber agrarindustriellen gibt. Die Corona-Krise muss dazu führen, eine gerechtere und nachhaltigere Lebensmittelproduktion sicherzustellen“, unterstreicht der Gewerkschafter.

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