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Neue Technologien in der Produktion

Interaktive Brillen, sogenannte „AR-Brillen“, werden bereits in vielen Produktionsbetrieben weltweit eingesetzt. Darüber kann sich etwa ein Kollege „zuschalten“, sieht das Problem auf dem Montageeinsatz mit eigenen Augen und kann bei der Lösung helfen. Einschulungen werden erleichtert, indem Arbeitsschritte über die Brille eingeblendet und mit Pfeilen und Zusatzinfos erklärt werden.
AR-Brillen, wie hier die HoloLens von Microsoft, werden bereits in vielen Produktionsbetrieben weltweit eingesetzt. Sie erweitern die Realität, indem etwa zusätzliche Infos und Hologramme eingeblendet werden können.
AR-Brille wie die Hololens von Microsoft AR-Brillen, wie hier die HoloLens von Microsoft, werden bereits in vielen Produktionsbetrieben weltweit eingesetzt. Sie erweitern die Realität, indem etwa zusätzliche Infos und Hologramme eingeblendet werden können.

Die „erweiterte Realität“, auf Englisch Augmented Reality (AR)“, ermöglicht durch technische Geräte wird längst in vielen Fabriken genutzt. In der Arbeitswelt kommen meist sogenannte „AR-Brillen“ zum Einsatz.

Neue Technologien – viele Fragen

Doch neue Technologien eröffnen nicht nur neue Einsatzgebiete, die unseren Arbeitsalltag erleichtern und effizienter gestalten können, sie werfen auch einige Fragen auf. Einerseits betreffen neue Technologien immer den Datenschutz. Theoretisch lässt sich durch die Brille und die Kamera in ihrem Inneren der gesamte Arbeitstag von ArbeitnehmerInnen lückenlos aufzeichnen. Erlaubt ist das nicht. Die Datenschutzgrundverordnung und Betriebsräte schützen vor überbordender Überwachung. Andererseits lohnt es sich, die Technologie im Hinblick auf den ArbeitnehmerInnenschutz näher zu betrachten.

PRO-GE Studie über Auswirkungen von AR

Die PRO-GE befasst sich bereits länger mit dem Thema. Nun wurde in Kooperation mit Magna, dem Austrian Institut of Technology (AIT) und der AUVA eine Studie zu den Auswirkungen auf die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen durchgeführt. Als Beispielarbeitsplatz diente die Qualitätskontrolle, finanziert wurde die Studie aus Mitteln des Digitalisierungsfonds der Arbeiterkammer Wien. Aus den Ergebnissen lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen in drei Bereichen des ArbeitnehmerInnenschutzes ableiten.

Auf körperliche Belastungen achten

Die physikalische Belastung durch das Tragen der AR-Brille wurde im Zuge des Projektes durch Muskelaktivitätsmessungen und ein Protokoll über entstandene Druckstellen erforscht. AR-Brillen wurden leichter und die Gewichtsverteilung hat sich schon verbessert. Dennoch gilt es bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes stets im Auge zu bewahren, dass die betroffenen ArbeitnehmerInnen ein zusätzliches Gewicht am Kopf haben. So ist beispielsweise das Arbeiten über Kopf, oder in anderen Zwangshaltungen zu vermeiden. AR-Systeme werden unter anderem durch Gestik und Laute gesteuert. Die Steuerung über die Gestik sollte dabei im Einklang mit der Tätigkeit durchführbar und ergonomisch gewählt werden. Lautsteuerung sollte an die Umgebung angepasst gestaltet sein.

Regelmäßige Pausen planen

Die Anwendung von AR durch ArbeitnehmerInnen hat sich im Zuge der Studie als sehr komplex herausgestellt. Interaktion mit einem AR System ist nicht intuitiv erfassbar, sondern muss gelernt werden. Aufgrund der hohen Komplexität empfiehlt auch das AIT zum Ausgleich beim Einsatz von AR Systemen regelmäßige Pausen zu planen. AR kann auch dazu führen, dass die Handlungsautonomie der ArbeitnehmerInnen massiv eingeschränkt wird. Durch das Angebot unterschiedlicher Eingabemöglichkeiten konnte Magna dieses Problem weitgehend in den Griff bekommen.

Arbeitsplätze mit AR von Gefahren trennen!

Die AR-Brille schränkt das Sichtfeld ein. Zudem können viele Einblendungen dazu führen, dass die Umgebung durch die TrägerInnen nicht mehr vollständig wahrgenommen wird. Dies kann die Unfallgefahr signifikant erhöhen. Es gilt daher Arbeitsplätze bei denen AR zum Einsatz kommt so gut wie möglich von potenziellen Gefahren zu trennen. Wo es möglich ist, kann es sinnvoll sein die AR-Brille selbst dazu einzusetzen aktiv auf bestimmte Restgefahren aufmerksam zu machen. Somit kann AR einerseits dazu führen, dass eine Gefahr (beispielsweise ein Stapler) übersehen wird und andererseits kann sie aktiv darauf aufmerksam machen und damit zur Unfallverhütung beitragen.

Wissenswertes zum Thema

Wo liegen die Haupteinsatzgebiete von Augmented Reality (AR) in der Produktion?
 

Insbesondere bei Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten kann man sich den Einsatz von AR am ehesten wie „ferngesteuertes“ Arbeiten vorstellen. ArbeitnehmerInnen bekommen über die Brille eine genaue Arbeitsanweisung eingeblendet. Seltener passiert dies mit automatischen Gebrauchsanweisungen, häufiger sitzen am anderen Ende hochqualifizierte Fachkräfte. Durch die Möglichkeit Informationen und Anweisungen graphisch einzublenden verliert die Sprache (und damit auch Sprachdefizite) an Bedeutung. Zudem werden lange Reisezeiten gespart.

Bei Einschulung und Unterweisung wird ArbeitnehmerInnen Schritt für Schritt ihr gesamter Arbeitsablauf vorgegeben. Teilweise kann die technische Unterstützung dabei auch erkennen, wenn ein Fehler gemacht wird, zeigt diesen an und gibt Lösungswege vor. 

Dort, wo in einem Produktionsprozess laufende Dokumentations- und Schreibarbeiten fällig werden, ergeben sich viele Anwendungsmöglichkeiten, wobei die Daten teilweise automatisch von der AR-Brille erfasst werden.

 

Was ist was?

Der Unterschied zwischen Virtual Reality und Augmented Reality
 

Virtual Reality (VR) – Setzt man eine VR-Brille auf, verschwindet die Realität und man schlüpft in eine virtuelle Realität, etwa in eine 3D-Welt eines Computerspiels.
Augmented Reality (AR) – In die reale Welt werden Zusatzinfos, durch eine AR-Brille etwa in das Gesichtsfeld, eingeblendet. Oder es stehen z.B. die Namen der Berggipfel darüber, wenn man die Landschaft durch die Kamera eines AR-Tablets betrachtet.

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