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Fehlende Lehrstellen: Wer Fachkräfte will, muss Ausbildung fördern

Gewerkschaften fordern eine Lehrlingsförderung, die Qualität belohnt – und einen Fachkräftefonds für Betriebe, in den jene einzahlen, die nicht ausbilden.

Österreich hat kein generelles Problem mit Jugendlichen, die keine Ausbildung machen wollen. Es fehlt an ausreichend guten, passenden und erreichbaren Lehrstellen. Gleichzeitig ziehen sich immer mehr Betriebe aus der Ausbildung zurück: Die Zahl der Lehrbetriebe ist von 38.132 im Jahr 2007 auf nur noch 25.168 Ende 2025 gesunken. Nur noch 14,2 Prozent aller Arbeitgeberbetriebe bilden Lehrlinge aus.

Die Folge ist eine massive Lehrstellenlücke. Ende 2025 suchten 10.624 Jugendliche sofort eine Lehrstelle, gleichzeitig waren nur 5.117 Lehrstellen verfügbar. Damit blieben 5.507 Jugendliche ohne Platz. Rechnet man Jugendliche in Schulungen und der überbetrieblichen Lehrausbildung dazu, suchten sogar fast 20.000 einen betrieblichen Ausbildungsplatz. "Österreich hat keinen Fachkräftemangel, sondern ein Ausbildungsproblem. Es fehlt nicht an Jugendlichen, die eine Ausbildung machen wollen, es fehlt an ausreichend guten, passenden und erreichbaren Lehrplätzen", sagt Matthias Hauer, ÖGB-Bundesjugendsekretär.

ÖGB

Lehrlingsförderung muss Qualität belohnen

Der Staat unterstützt Betriebe bei der Ausbildung ihrer Lehrlinge mit erheblichen öffentlichen Mitteln. Mit dem Doppelbudget 2027/28 wurde das Volumen der betrieblichen Lehrstellenförderung mit rund 280 Millionen Euro fortgeschrieben. Für ÖGB und Gewerkschaften ist klar: Diese Förderung darf nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden.

Öffentliche Gelder müssen dort ankommen, wo tatsächlich hochwertige Ausbildung stattfindet. Förderungen sollen deshalb stärker an nachvollziehbare Qualitätskriterien geknüpft werden – etwa daran, ob ein Betrieb einen Ausbildungsplan einhält, das gesamte Berufsbild vermittelt und Lehrlinge erfolgreich bis zur Lehrabschlussprüfung begleitet. Auch Antritts- und Erfolgsquoten bei der Lehrabschlussprüfung sollen berücksichtigt werden.

Denn schlechte Ausbildung hat Folgen: Rund 20 Prozent der Lehrlinge müssen häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen, 24 Prozent leisten regelmäßig Überstunden und 37 Prozent berichten von Belästigung, Beleidigung, Bedrohung oder Bloßstellung im Betrieb. Die Lehrabbruchquote ist von 16,9 Prozent im Jahr 2017 auf 20,7 Prozent im Jahr 2024 gestiegen.

„Facharbeiter:innen fallen nicht vom Himmel – man muss sie ausbilden, ausbilden, ausbilden!“, sagt Reinhold Binder, Bundesvorsitzender der PRO-GE. "Wenn sich 86 Prozent der Betriebe aus der Ausbildung zurückziehen, aber später die fertig ausgebildeten Fachkräfte der restlichen 14 Prozent abwerben, ist das unsolidarisch und ökonomisch kurzsichtig.“

Wer nicht ausbildet, muss sich beteiligen

ÖGB und Gewerkschaften fordern deshalb zusätzlich einen Fachkräftefonds. Betriebe, die ausbilden könnten, aber keine Lehrlinge aufnehmen, sollen in diesen Fonds einzahlen. Unternehmen, die nachweislich hochwertige Ausbildung leisten, sollen daraus unterstützt werden. "Ausbildungsfaule Betriebe müssen künftig an den Kosten beteiligt werden. Für die bereits jetzt vorbildlichen Unternehmen wird so mehr Gerechtigkeit geschaffen und das duale Lehrausbildungssystem wieder attraktiver werden", betont Binder.

Ausbildungsfaule Betriebe müssen künftig an den Kosten beteiligt werden.
Reinhold Binder

Die Botschaft an die Wirtschaft ist klar: Wer über Fachkräftemangel klagt, muss auch bereit sein, selbst auszubilden. Und wer dafür öffentliche Förderung erhält, muss auch Qualität liefern.